Spiritualität – was ist das?

03.10.2018 | Rubrik: Allgemein

Festival

Spiritualität ist in aller Munde. Jeder will es sein und trotzdem geht die Entwicklung genau in die Gegenrichtung. Spiritualität gibt es entgegen anderslautenden Versprechungen nicht auf Knopfdruck.

Es sind schon seltsame Zeiten: Viele Menschen kommunizieren fast nur noch über die sozialen Netzwerke, haben kein Problem ihr Leben dabei öffentlich zu machen und sind dennoch von ihrer Spiritualität überzeugt. Wahrscheinlich wissen die Datenkraken Google und Facebook mehr über ihre Lebensgewohnheiten als die Betroffenen selbst. Und trotzdem glauben sie ein spirituelles Leben zu führen, nur weil die die zahlreichen Bestseller von Dahlke, Lindau oder Betz kaufen oder deren Videos anschauen. Der Begriff „spiritus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Atem oder Geist. Im weiteren Sinne heisst es sich so zu öffnen, dass der Geist des Göttlichen hereinkommen kann. Nach dieser Definition wird ein spiritueller Mensch im Laufe seiner Praxis immer transparenter und schafft es irgendwann das Göttliche durch sich wirken zu lassen. Der Weg dahin ist weit und in den seltensten Fällen direkt. Je weniger Ablenkung desto besser. Spiritualität lässt sich gut in Klöstern erfahren, auf Bergen oder einsamen Wanderungen. In unseren Breitengraden wurde der Begriff in den 70iger Jahren von Graf Dürkheim einer grösseren Gruppe nähergebracht. In den 90iger Jahren war es Eckhart Tolle, der Menschen dafür begeisterte, Ihr Leben auf die Suche nach dem Geist des Göttlichen auszurichten. Spiritualität kann man nicht kaufen, sei es in esoterischen oder therapeutischen Ratgebern; auch nicht in teuren Seminaren, Vorträgen oder auf Esoterikmessen. Das sind eher gute Geschäftsmodelle, von dem die Anbieter am meisten profitieren und mit den Besuchern ein wenig Seelenbalsam gegen Geld tauschen. Unter dem Deckmantel der Spiritualität wird Verhaltenstherapie, Lifestyle oder Coaching angeboten; das muss nicht schlecht sein, hat halt nichts mit Spiritualität zu tun. Wie sehr der Begriff an Inhalt verloren hat, zeigen stramme Rechtsnationale wie Heiko Schrang und Eva Herman, die ihre Blogs und Youtube Sendungen gerne als spirituell bezeichnen. Das passiert immer wieder mit Begriffen oder Redewendungen, die in Mode gekommen sind und dabei ihre eigentliche Bedeutung verloren haben. Schade!

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dann abonnieren Sie unseren Rueckzug.com Jahreszeiten-Newsletter (4 mal pro Jahr).

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte lesen Sie unsere Netikette, bevor Sie einen Kommentar posten. Wir wollen so viele Beträge wie möglich freischalten und freuen uns auf Positionen, die die Diskussion bereichern und neue Perspektiven eröffnen. Wir wünschen uns ein angenehmes Diskussionsklima, in dem Respekt und Meinungsvielfalt herrschen.

©2018 rueckzug.com aktuell - Kontakt - Impressum - Datenschutzerklärung