Selbstfindung – Raus aus dem Hamsterrad

20.08.2018 | Rubrik: Ratgeber

Aufgrund der langen Ferien und des sonnigen Wetters ist Selbstfindung in den Sommermonaten oft Thema. Glücklicherweise braucht man kaum Geld dafür; es sei denn, man verwechselt es mit Wellnessurlaub.

Für manche von uns sind die Sommermonate eine gute Gelegenheit die gewohnte Umgebung zu verlassen um sich auf die Suche nach sich selbst zu begeben. Das machen wir schon seit Menschengedenken und viele der Formen haben sich gar nicht so sehr verändert. Schon in der Zeit vor Christi Geburt zogen sich Buddhisten in Retreats zum Meditieren zurück und gingen Pilger aus den verschiedensten Gründen auf Wallfahrt zu den heiligen Orten ihres Glaubens. In den 2500 Jahren dazwischen hat sich eine Menge verändert. Fliessendes Wasser, Toiletten und ein gutes Schuhwerk würden die meisten von uns nicht als unnötigen Luxus bezeichnen. Aber muss es unbedingt die modernste Funktionskleidung und teure Trekkingschuhe sein. Brauchen wir bei der Alpenüberquerung klimaneutrale Übernachtungsmöglichkeiten mit zertifiziert biologischem Essen ohne jegliche Tierprodukte? Das muss jeder für sich entscheiden und sehen, wie weit er schon in der Lage ist loszulassen von Vorstellungen und Klischees, die uns viele Türen verschliessen. Mittlerweile gibt es attraktive Retreatcenter auf allen fünf Kontinenten, die von streng meditativ bis zum modischen Wellness- und Yogaurlaub reichen. Richtig schön ist es im Kalani Resort, das im Dschungel auf der Hawaii-Insel Big Island steht. Die Unterkünfte sind eher einfach, dafür überzeugt das Zentrum mit einem gut ausgearbeiteten meditativen Programm und der wunderbaren Umgebung mit den schönen Stränden der Vulkaninsel an der Pazifikküste. Den Nahen Osten kennt man hierzulande eher als Krisengebiet und dennoch gehen dort immer mehr spirituelle Menschen aus der ganzen Welt auf die Suche nach der eigenen Mitte. Den ganz besonderen Ort findet man im Süden von Israel in der Einsamkeit der Wüste Negev: Ashram in the Desert. Jenseits von Luxus und Wellness ist in den letzten Jahren eine sympathische Hippie-Community entstanden, die ein spannendes Programm anbietet. Die Besucher kommen um mitten in der Wüste Zeit zu verbringen oder suchen sich gezielt Workshops aus, an denen sie teilnehmen wollen. Wer sich zur täglich mehrstündigen Mitarbeit verpflichtet, kann die Kosten im Volunteer Programm deutlich senken. Das gibt es auch im oben beschriebenen Kalani Resort auf Hawaii und in vielen Klöstern, Seminarhäusern und spirituellen Gemeinschaften in unseren Regionen, die als Selbstversorger gerade in den Sommermonaten tatkräftige Hilfe gut gebrauchen können. Einige liegen traumhaft in den Bergen, andere am Wasser oder mitten in der Natur. Man arbeitet jeden Tag ein paar Stunden und nimmt an den Exerzitien, Gebeten oder Meditationen teil. Es muss nicht immer teuer sein. Das trifft auch beim Pilgern und Wandern zu . Hier gilt der Spruch Der Weg ist das Ziel, der dem Chinesischen Lehrmeister Konfuzius zugeschrieben wird. Es ist nicht entscheidend, ob man sich auf einen der zahlreichen Pilgerwege begibt, die Alpen überquert, auf einen Berggipfel steigt, von dem die Sicht einzigartig ist oder einen Kraftplatz besucht. Das spirituelle Potential des Pilgerns und Wanderns ist gross, auch wenn die Gefahr des Scheiterns gerade bei grösseren Vorhaben die nicht ganz so Erfahrenen begleitet. Das kann sehr schmerzhaft sein, weil wir nicht immer in der Lage sind, die darin enthaltenen Chancen zum Wachsen sofort zu sehen und zu erkennen, dass der Weg der richtige ist. Auch hier geht es um den aktuell etwas strapazierten Begriff Selbstliebe, der kein fester Zustand ist, sondern eine Vision, der wir uns in einem immer währenden Prozess annähern können.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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