Spirituelles Filmfestival Berlin 2018

04.04.2018 | Rubrik: Bücher + Filme

Wie schon letztes Jahr wird das Lesen des Programms zur Enttäuschung: Kommerz, Langeweile, amerikanische Blockbuster, Modethemen und viel Vorhersehbares. Auch dieses Jahr überzeugt das Projekt nicht wirklich.

Der Sinn eines thematischen Filmfestivals ist die Besucher zu kitzeln, sie mit Neuem zu konfrontieren und vielleicht sogar unsicheres Terrain zu betreten. Alles andere macht in einer Kino-Stadt wie Berlin keinen richtigen Sinn. Gerade im Bali-Kino im Süden Berlins kennt man das von der Italienischen und Spanischen Filmwoche, in denen Produktionen gezeigt werden, die es sonst wahrscheinlich nicht in die deutschen Kinos geschafft hätten. Und manche dieser kleinen und oft sehenswerten Filme kommen aufgrund der Spanischen oder Italienischen Filmwoche später noch ins Kinoprogramm. Die Kuratoren eines Filmfestivals haben in der Regel ein Jahr Zeit um ein spannendes und vielfältiges Programm zusammenzustellen. Auch dieses Jahr mietet sich das Festival des Spirituellen Films zuerst in einem Kino im Süden und 14 Tage später in einem anderen Kino im Norden der Hauptstadt ein. Gezeigt werden ein Hollywood Blockbuster über Martin Luther King und gefilmte Vorträge von Eckhart Tolle. Gerade Eckhart Tolle steht für viele als Synonym von Spiritualität; aber ist ein gefilmter Vortrag von ihm schon spirituelles Kino oder bleibt es ein hörenswerter Vortrag von Eckhart Tolle? Zeit für Stille, Walk with me und Einfach leben liefen schon letztes und vorletztes Jahr in den Kinos und konnten dabei, trotz eines gewissen Erfolgs an den Kassen, nur sehr einfache Gemüter überzeugen. Alle drei sind Aneinanderreihungen von Sequenzen schöner Bilder, die von der Filmmusik noch verstärkt werden. Trotzdem schaffen sie es letztlich nicht die Seelen der Zuschauer zu berühren, da in der ganzen Schönheit die eigentliche Botschaft verloren gegangen und nur Pathos übrig geblieben ist. Auch die beiden guten Produktionen Zen for Nothing von Werner Penzel und Leaning the Wind über den schottischen Künstler Andy Goldsworthy hat fast jeder schon gesehen, der dafür in Frage kommt. Beide wurden nicht nur hier in Berlin in den letzten zwei Jahren monatelang in den Kinos gezeigt. Der Film über den Pflanzenguru Wolf-Dieter Storl hat ein paar Jahre auf dem Buckel und ist eigentlich ein Werbeträger für dessen Bücher und Vorträge, die deutlich mehr abwerfen. Das hat nur sehr vordergründig mit spirituellem Kino zu tun. Ausserdem wird Wolf-Dieter Storl immer wieder mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht, so dass er neulich sogar von Rüdiger Dahlke (?!) in Schutz genommen wurde. Das Schweitzer Magazin Spuren, das sich schon für Dahlkes Märchenstunde über seine Steuerflucht bereitwillig geöffnet hat, bietet in seiner vorletzten Ausgabe dem Betroffenen Storl eine Plattform um sich vor breitem Publikum für seine Kontakte ins völkische Lager zu rechtfertigen. Und dieser Werbefilm des etwas rechtslastigen Storl wird in der Ankündigung des Festivals als meditativ und inspirierend bezeichnet. Keine Ahnung, was die sich dabei gedacht haben. Alles in Allem auch diesmal ein Programm, das Wünsche offenlässt und nur wenig Inspiration bietet. Es gibt genug Filme, die zum Genre gehören und wirklich sehenswert sind. Man muss nur bereit sein die Perlen zu suchen, Zeit zu investieren, Risiko zu gehen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Vielleicht nächstes Jahr ……

Spirituelles Filmfestival Berlin
Do 05. April 2018 – So 08. April 2018 Bali Kino Zehlendorf
Fr 20. April 2018 – So 22. April 2018 City Kino Wedding

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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