Filmtipp: Zeit für Stille

05.12.2017 | Rubrik: Bücher + Filme

Der englische Dokumentarfilm In Pursuit of Silence (Zeit für Stille) beschäftigt sich gross angekündigt mit dem Spannungsfeld zwischen Lärm und Stille und enttäuscht dabei fast auf ganzer Linie. Schade!

Dass Lärm die Ursache für zahlreiche psychosomatische Krankheiten ist, hat die Wissenschaft schon seit langem bewiesen. Das ist gesellschaftlicher Konsens und so überrascht es nicht wirklich, dass der englische Dokumentarfilm Zeit für Stille (Original: In Pursuit of Silence) auf grosses Interesse im Feuilleton und in der esoterischen Szene stösst. Vieles von dem, was wir mit dem Begriff Stille verbinden, wird vom amerikanischen Regisseur Patrick Shen professionell und in wirklich schönen Bildern und von eindrucksvoller Musik begleitet in Szene gesetzt: Kloster, Wald, schneebedeckte Berggipfel, Höhlen und Meditationszentren. Gezeigt wird der alltägliche Lärm in Mumbai, das lauteste Fussballstadion in Seattle oder der normale Verkehrslärm in jeder Grossstadt. Zitiert wird auch Kurt Tucholski und sein zum Kalenderspruch gewordenes geflügeltes Wort über Stille und Lärm. Und natürlich darf der amerikanische Komponist John Cage nicht fehlen, dessen Stück 4´33 ohne Töne auskommt. Alles in allem ist diese Aneinanderreihung von Klischees und Stereotypen auf der einen Seite schön anzusehen und anzuhören; auf der anderen Seite bleibt nicht viel, nach dem man den Kinosaal wieder verlassen hat, da der ganze Film einigermassen vorherseebar ist. Dass die Produzentin Poppy Elliott ihren Lebensunterhalt mit anderen Projekten zum Thema Stille verdient, erklärt die kommerzielle Ausrichtung ein wenig, die dem Projekt nicht gut tut. Im Gegensatz zu einigen anderen Filmen mit einem gewissen spirituellen Ansatz schafft es Zeit für Stille nicht die Seele der Zuschauer zu berühren, da die Produzentin den Film eher an seiner Wirtschaftlichkeit ausgerichtet hat. Schade, denn man hätte es auch anders machen können. Zeit für Stille wird seine finanziellen Vorgaben erfüllen, aber leider nicht mehr. Die wesentlichen Aspekte des Themas bleiben für Produzentin und Regisseur ungreifbar und in weiter Ferne. Leider!

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dann abonnieren Sie unseren Rueckzug.com Jahreszeiten-Newsletter (4 mal pro Jahr).

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte lesen Sie unsere Netikette, bevor Sie einen Kommentar posten. Wir wollen so viele Beträge wie möglich freischalten und freuen uns auf Positionen, die die Diskussion bereichern und neue Perspektiven eröffnen. Wir wünschen uns ein angenehmes Diskussionsklima, in dem Respekt und Meinungsvielfalt herrschen.

©2017 rueckzug.com aktuell - Kontakt - Impressum - Datenschutzerklärung