Was soll ich wählen?

16.09.2017 | Rubrik: Allgemein

Kurz vor der Bundestagswahl ist die Bundesrepublik uneins und geteilt wie selten zuvor. Gleichzeitig beneidet uns fast die gesamte westliche Welt um die Stabilität und vor allem um unsere Kanzlerin. Ganz schön komisch.

Nächste Woche ist in Deutschland Bundestagswahl und die Mehrheit der Bevölkerung weiss nicht genau, wen er oder sie wählen soll. Das überrascht nicht wirklich, denn noch nie gab es hier eine Wahl mit so vielen Emotionen und so wenig Inhalten. Die Emotionen kommen von den politischen Rändern und aus den sozialen Netzwerken. Fake News und Hasskommentare sind wichtiger als Fakten und Inhalte. Die Glaubwürdigkeit der Politik liegt am Boden. Die AFD propagiert auf der einen Seite ein flüchtlingsfreies und völkisches Land, mit heterosexuellen Familien und mindestens drei eigenen Kindern. Auf der anderen Seite wird die Partei von einer neoliberalen Frau geführt, die mit einer Asiatin und zwei adoptierten Kindern in einer homosexuellen Beziehung lebt. Das Ganze nicht in Berlin, Köln oder Hamburg sondern in Bern in der Schweiz, wo sie eine Asylbewerberin als nicht angemeldete Putzhilfe beschäftigt haben soll. Ähnlich Die Linken, die zwar Probleme ansprechen, aber kein Konzept haben um selbige zu lösen. Gerade bei den Linken gibt es einen beachtlichen Teil, der schon seit längerem mit xenophoben und antisemitischen Äusserungen Populismus betreibt und so diese Partei trotz einiger kluger Köpfe unwählbar macht. AFD und Die Linke, Parteien die eigentlich so unterschiedlich sind, haben in ihrer populistischen Ansprache mehr Gemeinsamkeiten als man gemeinhin denken würde. Ein Grossteil der Anhänger von AFD und Der Linken vertraut Putin mehr als unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. In den neuen Bundesländern ist dieses schockierende Phänomen besonders auffallend. Die FDP steht nach 4 Jahren Abstinenz vor allem für Christian Lindner und immer noch für Steuersenkungen und Lobbyismus. Die Grünen mit ihren beiden konturlosen und extrem langweiligen Spitzenkandidaten sind nicht wirklich wählbar. Vor fünfzig Jahren haben Willy Brandt und die SPD aus einer grossen Koalition kommend die Weichen für die Zukunft unseres Landes gestellt: Abschaffung des § 175, Frauenrechte, mehr Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die neue Ostpolitik, die zwanzig Jahre später in der Deutschen Wiedervereinigung enden sollte. Bis heute sieht man den Begriff Gerechtigkeit auf fast allen SPD-Wahlplakaten. Glaubhaft ist das nicht mehr, denn Hartz 4, eine der grössten Ungerechtigkeiten in der Geschichte der BRD, wurde nicht von Peter Hartz sondern vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeführt, der wenige Wochen nach seiner Amtszeit schon den ersten lukrativen Nebenjob bei Gazprom annahm. Und so nimmt man weder Martin Schulz noch Sigmar Gabriel den Begriff soziale Gerechtigkeit ab, auch nicht ansatzweise. Beide sind Machtpolitiker ohne Vision, ohne Position. Das ist wie mit dem Pudding, den man an die Wand nageln soll. Dann bleiben eigentlich nur CDU und CSU?! Bitte nicht! Auch wenn uns praktisch die ganze westliche Welt um Angela Merkel beneidet, weil sie den Dampfer BRD relativ sicher, skandalfrei und ohne Populismus durch mehrere Krisen geführt hat und sie nach ihrer Amtszeit mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen lukrativen Nebenjob bei Gazprom, E-On oder BMW annehmen wird. Und trotzdem braucht das Land dringend Innovationen, was offensichtlich nicht ihre grosse Stärke ist. Auch ist die Truppe hinter ihr in keinster Weise überzeugend. Was soll Mann oder Frau am 24. September wählen? Eines ist klar: wer sich für FDP, Die Linke oder AFD entscheidet, wählt das Problem und nicht die Lösung. Gerade die AFD und Typen wie Bernd Höcke stehen für ein dunkles Deutschland, das hoffentlich nie wieder kommt. Grosse Deutsche wie Willy Brand, Albert Einstein, Bert Brecht und Millionen Andere mussten das Land verlassen. Menschen wurden systematisch ermordet, weil sie homosexuell waren, eine andere politische Meinung hatten oder an einen anderen Gott glaubten. Wollen wir dahin zurück? Leider bieten die anderen Parteien keine echte Alternative. Egal, wen oder was sie wählen: Spiritualität und Rassismus passen nicht zusammen. Es gibt nur einen Gott und es gibt nur eine Liebe. Kein Mensch ist aufgrund seiner Herkunft besser als der andere. Gehen Sie wählen, auch wenn´s schwer fällt. Wir sind es unserer Demokratie schuldig!

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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