Yogareisen, Klosteraufenthalt oder ganzheitlicher Urlaub

12.07.2017 | Rubrik: Ratgeber

Wie und wo bucht man seinen spirituellen Urlaub am besten? Direkt beim Anbieter oder im ganzheitlichen Reisebüro? Worauf sollte man achten?

Wer bis vor ein paar Jahren einen meditativen Urlaub plante, hatte im deutschsprachigen Raum kaum professionelle Ansprechpartner. Es waren nur wenige Reisebüros, Agenturen oder Veranstalter, die ihre Kunden schon damals persönlich und kompetent beraten haben. Viele gingen jedoch selbst auf die Suche nach Aschrams und spirituellen Hotels in Asien und Europa oder fragten in den Klöstern nach, die Besucher temporär aufnahmen. Die Suche war nicht immer einfach, aber meistens spannend und bereichernd. Heute gibt deutlich es mehr als 100 Agenturen, die ihren Kunden online oder in der realen Welt spirituelle Reisen verkaufen. Auch viele Klöster sind nach langjähriger Begleitung durch Unternehmensberater professioneller geworden und bieten ihr spirituelles Programm nach marktwirtschaftlichen Kriterien an. Dazu noch jede Menge Yoga- und Meditationslehrer, die ihre ganzheitlichen Workshops und Seminare selbst über das Internet vermarkten. Seit kurzem tasten sich DAX-Konzerne aus dem Touristikbereich an diesen Markt heran und versuchen den einen oder anderen Fuss in die Tür zu bekommen. Vorreiter ist mal wieder der gemeinnützige Yogaverein Yogavidya, der einen kleinen Teil seines Programms über Last Minute Seiten von Grosskonzernen anbietet. Man kann fast sicher sein, dass dies nur der Anfang ist und in ein paar Jahren diese Megaunternehmen aus dem Touristikbereich Yogareisen in einem eigenen Katalog anbieten werden. Schon heute werben immer mehr Hotels mit Yoga und Meditation; ein neuer Touristikmarkt entsteht, der nur wenig mit dem Bisherigen gemein hat und eine neue Dimension der Bandbreite eröffnet. Auf der einen Seite bucht man den Yogaurlaub bei einem touristischen Grosskonzern, auf der anderen nimmt man die persönliche Einladung seines Yogalehrers zu einem Meditationsurlaub auf eine griechische Insel an. Dazwischen gibt es noch spirituelle Hotels, ganzheitliche Reisebüros, Agenturen, Veranstalter und Vermittler, womit wir bei den juristischen Feinheiten sind. Jeder Anbieter, der gleichzeitig Kurs und Unterkunft verkauft, gilt nach deutscher Rechtsprechung als Veranstalter und unterliegt der Haftung nach dem geltenden Reiserecht. Er muss bei jeder Buchung einen Sicherungsschein ausstellen und seine Preise immer in Euro angeben. Das gilt auch, wenn der Anbieter sich als Vermittler sieht; entscheidend sind die Tatsachen. Was bedeutet das für Sie als Kunden genau? Sie haben auf jeden Fall mehr Rechtssicherheit, bezahlen dafür aber einen deutlich höheren Preis. Aufgrund der zunehmenden Kommerzialisierung kann das Mehr an Sicherheit durchaus interessant sein. So sieht man oft Wellnesshotels, die mit Yoga und Meditation werben. Man bucht und freut sich darauf den Tag mit einer Yogaeinheit beginnen zu können. Nach der Ankunft erfährt man an der Rezeption, dass der Yogalehrer ausnahmsweise krank ist oder der Mediationsraum gerade renoviert wird. Das kommt leider immer wieder vor und ist durchaus ein Grund für eine erfolgreiche Reklamation, sofern Sie bei einem Veranstalter nach deutschem Reiserecht gebucht haben. Wer sich der Yogareise seines Lehrers anschliesst oder bei einem kleinen Veranstalter bucht, der regelmässigen Kontakt zu seinen Partnern hat, wird diese Art von Problemen in der Regel nicht erleben. Die Provisionen sind bei Grosskonzernen deutlich höher und der Kunde muss letztlich auch für die nicht unbeträchtlichen Kosten des Sicherungsscheins aufkommen. Veranstalter mit Angeboten ausserhalb der Eurozone lassen sich das Wechselkursrisiko in der Regel gut bezahlen. Diese Faktoren addieren sich und verteuern Ihre Yogareise signifikant. Was heisst das jetzt für Sie als Kunden? Wo buchen Sie am besten? Preislich am günstigsten ist die Direktbuchung vor Ort, besonders wenn Wechselkurse ins Spiel kommen. Dazu kommt noch ein gewisser Verhandlungsspielraum, weil keine Provisionen bezahlt werden müssen. In der Regel macht der Kunde bei Vertragsabschluss eine Anzahlung und begleicht den Rest dann vor Ort. Auf der anderen Seite kann die persönliche Beratung durch eine Agentur wirklich hilfreich sein. Im Gegensatz zum allgemeinen Tourismus haben die Mitarbeiter der ganzheitlichen Reisebüros die meisten ihrer Destinationen schon persönlich besucht und wissen, wovon sie reden. Fazit: Wenn Sie wissen, wohin Sie wollen, spricht nichts gegen die Direktbuchung. Ansonsten lassen Sie sich von einer auf spirituelle Reisen spezialisierten Agentur beraten.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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