Wie wirksam ist Homöopathie? Teil 2

02.06.2017 | Rubrik: Ratgeber

Fast alle Studien belegen das Gegenteil und doch glauben sehr viele Menschen an die Wirksamkeit von Homöopathie. Wie kann das sein?

Wie wirksam ist Homöopathie? Teil 1

Auch die Homöpathie ist ein Riesengeschäft. Mittelständische Fabriken setzen in Deutschland mit Globuli und anderen homöopathischen Mitteln jedes Jahr knapp 1 Milliarde Euro um. Für das Verhältnis zu den Krankenkassen gibt es unter anderem den Deutschen Zentralverein für Homöopathische Ärzte, der die Lobbyarbeit für diese Gruppe betreibt. Der DZHÄ setzt gerade durch, dass immer mehr gesetzliche Krankenkassen homöopathische Behandlung bei Ärzten des Verbandes bezahlt. Das beinhaltet auch die Abrechnung eines ausführlichen Erstgesprächs, von dem der normale Hausarzt nur träumen kann. Natürlich ist es auch für die Kassen lukrativ, denn Homöopathie ist die Behandlungsmethode der besser Verdienenden und Gebildeten, die nachweislich weniger krank sind und mehr einzahlen. Und sollte eine Krankenkasse mit dieser schreienden Ungerechtigkeit Probleme haben, empfiehlt der Verband der Homöopathischen Ärzte auf seiner Internetseite die Kasse zu wechseln. So erhöht man den Druck, so funktioniert Lobbyismus. Man schafft Win-Win-Situationen: die Kassen verdienen, die homöopathischen Ärzte verdienen und der normale Hausarzt hat keine Zeit für ein Gespräch mit seinem Patienten. Und genau hier liegt der Knackpunkt; Bei Bluthochdruck oder Migräne ist es angebracht die Ursachen zu ergründen und nicht das Symptom mit Tabletten zu behandeln. Oft liegen die Ursachen im psychosomatischen Bereich. Diese Minitherapien bezahlen die Kassen nur Ärzten aus dem Verband. Der Patient kann sich in entspannter Atmosphäre seinen Frust von der Seele reden; er fühlt sich ernst genommen und beginnt zu reflektieren. Bei dieser Form von Seelsorge werden die Ursachen an der Wurzel angegangen, die Schmerzen werden weniger, die Besserung beginnt. Der Hausarzt kann das im Gegensatz zum Homöopathischen Arzt nicht vernünftig abrechnen. In der Schulmedizin muss bei jeder von den Kassen bezahlter Behandlung die Wirksamkeit nachgewiesen werden, die Homöopathie ist davon befreit. Ein Kassenarzt, der sanfte Wege gehen will, kann es nur unter der Flagge der Homöopathie. Ihr Erfinder Samuel Hahnemann sagte schon vor über 200 Jahren, dass die Allopathie oder Schulmedizin unvereinbar mit der Homöopathie sei. Dass Ärzte beides parallel anbieten und einige Kassen beides parallel bezahlen hat eher wirtschaftliche Gründe als medizinische. Dass die eingenommenen Globuli eine Placebofunktion haben, ist in der Wissenschaft Konsens. Und viele Kritiker sehen nicht Hahnemann als Problem sondern seine Nachfolger, die es versäumt haben die Behandlungsmethode nach über 200 Jahren dem heutigen Stand der Wissenschaft anzupassen. In Studien kann die positive Wirkung von anderen sanften Methoden wie zum Beispiel Osteopathie, Phytotherapie oder verschiedene Naturheilverfahren viel besser nachgewiesen werden und trotzdem ist es für Kassenpatienten am leichtesten homöopathische Leistungen über ein Mitglied des Deutschen Zentralvereins für Homöopathische Ärzte zu erhalten. So geht Lobbyismus.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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