Wie wirksam ist Homöopathie?

25.05.2017 | Rubrik: Ratgeber

Die Wirksamkeit von Homöopathie lässt sich nicht über Studien belegen. Trotzdem hat sie eine grosse Anhängerschaft und wird von Kassen und Gesetzgeber privilegiert behandelt.

Zwei von drei Deutschen behandeln Krankheiten auch mit Homöopathie. Das sind ziemlich viele und doch wird die alternative Behandlungsform den Ruf der Scheintherapie und Placebomethode nicht los. Wissenschaftler von Medizinern über Quantenphysiker bis zu Biologen beschreiben die Wirkung von Homöopathie als inexistent oder nicht nachweisbar; dagegen sprechen die eindeutigen Behandlungserfolge, die viele Homöopathen vorweisen können. Die Journalistin Dorothea Brummerloh beleuchtet dieses Spannungsfeld in einem wirklich interessanten Radiodossier im Deutschlandfunk von allen Seiten und lässt dabei sowohl Kritiker als auch Befürworter zu Wort kommen. Das Dossier mit dem Titel Homöopathie auf dem Prüfstand kann auf der Deutschlandfunk-Homepage noch einige Zeit als Podcast angehört werden. Zu den Befürwortern gehört ein homöopathischer Bademeister und ein Arzt, der sowohl homöopathisch als auch allopathisch behandelt; zu den Kritikern ein Biologe und Wissenschaftsjournalist, ein Quantenphysiker und die Ärztin Nathalie Grams, die von der Homöopathie-Anhängerin zu Renegatin wurde und kürzlich über diesen Prozess ein Buch veröffentlicht hat. Auffallend ist, wie viel Zeit sich Homöopathen für das Erstgespräch nehmen und dass die meisten Befürworter über eigene Krankheiten zur Homöopathie kamen. Viele hatten lange Leidensphasen hinter sich mit chronischen Schmerzen und massiven Einschränkungen in der Lebensqualität, die sie dank einer homöopathischen Behandlung von einem Tag auf den anderen loswurden; das alles mit Kügelchen ohne Nebenwirkungen, die nur einen Bruchteil der allopathischen Mittel kosten. Dass der gute und erfolgreiche Homöopath sich sehr viel Zeit genommen hat um den Patienten zu ergründen, haben einige schon wieder vergessen. Gerade bei chronischen und mit ständigen Schmerzen verbundenen Krankheiten berichten Patienten von radikaler Besserung nach einer homöopathischen Behandlung, obwohl zahlreiche Studien und fast alle Wissenschaftler den Zusammenhang bestreiten. Trotzdem gilt: Wer heilt oder wer die chronischen Schmerzen wegnimmt, hat Recht und das ist gut so. Bei genauerer Betrachtung stösst man dabei auf die Schwachstellen unseres Gesundheitssystems im Allgemeinen. Obwohl es im Vergleich immer noch ganz gut dasteht, schafft es die Politik nicht den Menschen oder Patienten in den Mittelpunkt zu stellen. Pharmaindustrie, Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser haben Vertreter im Deutschen Bundestag und geben über Lobbyisten hohe Millionenbeträge aus um ihre Interessen durchzusetzen. Gesundheit ist zu einem grossen Geschäft geworden, mit dem in Deutschland jedes Jahr knapp 100 Milliarden Euro umgesetzt werden. Wir kennen es: Pharmavertreter beeinflussen Ärzte bei der Verschreibung von Medikamenten, lukrative Operationen werden nicht nach Notwendigkeit durchgeführt, die Dauer des Krankenhausaufenthaltes richtet sich nach der aktuellen Belegsituation, Kassen verweigern sinnvolle Behandlungen aus Kostengründen und der Hausarzt bekommt von der Krankenkasse praktisch kein Geld für das Gespräch mit seinem Patienten. Der Patient wird zum Spielball der wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Player im System Gesundheit.

Wie wirksam ist Homöopathie? Teil 2

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dann abonnieren Sie unseren Rueckzug.com Jahreszeiten-Newsletter (4 mal pro Jahr).

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte lesen Sie unsere Netikette, bevor Sie einen Kommentar posten. Wir wollen so viele Beträge wie möglich freischalten und freuen uns auf Positionen, die die Diskussion bereichern und neue Perspektiven eröffnen. Wir wünschen uns ein angenehmes Diskussionsklima, in dem Respekt und Meinungsvielfalt herrschen.

©2017 rueckzug.com aktuell - Kontakt - Impressum - Datenschutzerklärung