Türkei im Umbruch – was wird aus den Yogareisen?

03.05.2017 | Rubrik: Allgemein

Der Reisemarkt in die Türkei ist aufgrund der politischen Situation eingebrochen; ähnliches gilt für Tunesien und Ägypten. Auch der ganzheitliche Sektor mit Yogareisen, Wüstenwanderungen und Yogacruising hat ernsthafte Probleme. Eigentlich sehr schade!

Touristische Schnäppchenjäger schwärmten noch vor zwei Jahren von den supergünstigen All-Inclusive-Angeboten der Türkei. Da könne kein anderes Land mithalten, wenn sie für 500 € mit Flug, Transfer, Einzelzimmer, Vollverpflegung inklusive Getränken und Animationsprogramm eine Woche an der türkischen Riviera verbrachten. Mittlerweile kostet diese All-Inclusive-Woche weniger als 300 € und die Hotels sind trotzdem leer. Auch die Nachfrage nach Yogareisen und Yogacruisings geht gegen Null. Es ist viel passiert in den letzten Jahren in diesem schönen Land mit seiner stolzen Vergangenheit. Nachdem der türkische Leader letzte Woche sein umstrittenes Referendum auf nicht ganz saubere Art und Weise und äusserst knapp gewonnen hatte, waren Wladimir Putin, der strenge russische Autokrat und Donald Trump, der durchgeknallte Immobilienhai und TV-Star, seine ersten Gratulanten; beide sind gegen muslimische Zuwanderung in ihr Land. Was Putin, Trump und Erdogan verbindet, ist ihr totalitärer Regierungsstil, der lockere Umgang mit der Wahrheit und die Abneigung gegen freie Berichterstattung und der damit implizierten Kritik. Erdogan hat in den letzten Monaten fast Hunderttausend Menschen verhaften lassen, mehrere Zehntausend Beamte entlassen und die Pressefreiheit aufgehoben. Ein Grossteil der parlamentarischen Opposition sitzt im Gefängnis, der Rest spürt die Bedrohung. Hunderte von kritischen Journalisten sind in Haft, darunter der Deutsche Deniz Yücel. Dazu diese ständigen Nazivergleiche des türkischen Diktators. Vor 80 Jahren hätte er damit Recht gehabt und vor 40 Jahren noch zum Teil, aber heute ist dieser Vergleich aus seinem Mund einfach nur peinlich. Kein Wunder, dass Touristen und Investoren dieses wunderschöne Land mit Bergen und Meer, voller kultureller Sehenswürdigkeiten mit Geschichte und uralten Traditionen meiden. Die Leidtragenden sind neben der kritischen Hälfte der Bevölkerung auch die Anbieter von ganzheitlichen Reisen. Viele von ihnen haben sich verschuldet und ihre ganzen Ersparnisse in ihr Herzensprojekt investiert: ein meditatives Hotel an der Küste mit Meerblick oder die Restaurierung eine Yacht für Yogacruising in der türkischen Ägäis. Vor fünf Jahren war die Türkei noch ein ganz normales Land mit einer viel versprechenden touristischen Perspektive. Einige Yogacruiser verlegen aktuell ihre Route mehr in griechische Regionen; bei spirituellen Hotels und Yogazentren ist das nicht so einfach. Für Mitteleuropäer sind die diktatorischen Attitüden und Lügen von Herrscher Erdogan schwer zu ertragen, da sie an die eigene Vergangenheit erinnern. Gewählt hat ihn nur deutlich weniger als die Hälfte der türkischen Bevölkerung; der Rest muss die Konsequenzen mittragen. Das ist sehr ungerecht und eigentlich sollte man diese Anbieter von Yogareisen in die Türkei unterstützen, da sie in der Regel nur wenig mit dem ganzen Schlamassel zu tun haben. Im Gegensatz zu einigen nordafrikanischen Destinationen ist die Türkei für Touristen ein sicheres Reiseland mit nicht zu unterbietenden Preisen. Die Türkei ein sicheres Reiseland? Für Touristen ja, für kritische Türken ganz und gar nicht!

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dann abonnieren Sie unseren Rueckzug.com Jahreszeiten-Newsletter (4 mal pro Jahr).

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

Diesen Beitrag kommentieren

Bitte lesen Sie unsere Netikette, bevor Sie einen Kommentar posten. Wir wollen so viele Beträge wie möglich freischalten und freuen uns auf Positionen, die die Diskussion bereichern und neue Perspektiven eröffnen. Wir wünschen uns ein angenehmes Diskussionsklima, in dem Respekt und Meinungsvielfalt herrschen.

©2017 rueckzug.com aktuell - Kontakt - Impressum - Datenschutzerklärung