Tag gegen den Lärm – Noise Awareness Day

24.04.2017 | Rubrik: Allgemein

Tag gegen den Lärm

Unsere Städte werden immer lauter, die Suche nach Oasen der Besinnung wird schwieriger. Mehr und mehr erkennen Menschen auf der ganzen Welt die Wichtigkeit von Ruhe und Stille und dass man diese wenigen Orte vor Krach und Lärm beschützen muss.

Am 26. April wird weltweit der Noise Awareness Day begangen, der Tag gegen den Lärm. Im Gegensatz zu Valentine und Halloween erreicht dieser fast keine mediale und kommerzielle Beachtung. Das ist sehr schade ist, denn Lärm ist zu einer der zentralen Ursachen für psychosomatische Krankheiten und Burnout geworden. Gerade wir Stadtbewohner sind nicht nur Opfer dieses Phänomens, sondern auch fast immer daran beteiligt. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik mit Sitz in einem der pulsierenden Teile Berlins feiert diesen Tag zum mittlerweile zwanzigsten Male und verweist auf die zahlreichen Studien, die beweisen, wie schädlich Lärm für Mensch und Tier ist und welche fatalen Auswirkungen Krach auf unsere Gesundheit hat. So überrascht es nicht, dass immer mehr Männer und Frauen, die bewusst in den lauten und hektischen Innenstädten wohnen, als ideale Urlaubsform Yogareisen, Klosterurlaub und Schweigeseminare angeben. Die Angst vor der als Einsamkeit empfundenen Stille im Alltag ist so gross, dass die gesundheitsschädlichen Auswirkungen dieser Wohnlagen in Kauf genommen werden. Dafür ernährt man sich vegan, kauft nur Bioprodukte und achtet auf fair gehandelte Waren. Bis zu einer gewissen Lautstärke ist Lärm ein subjektives Erleben: für den einen ist die Musik von Motorhead oder Techno Entspannung pur, für den anderen der absolute Horror, wenn sie die zu erwartende Lautstärke erreicht. Der Publizist und Satiriker Kurt Tucholsky beschrieb es schon vor 100 Jahren: Der eigene Hund macht keinen Lärm, er bellt nur. Die Stille wird zu einem seltenen und kostbaren Gut, das verteidigt werden muss. Die deutsche Bahn berichtet über eine verstärkte Nachfrage nach den Ruhebereichen in ihren Zügen. Bis jetzt sind die Reservierungen in den Ruhebereichen noch kostenfrei. Vielleicht gibt es in naher Zukunft einen Aufpreis für diese handyfreien Bereiche. Unsichere Menschen flüchten sich gerne in den Lärm, wenn sie auf sich aufmerksam machen wollen und ihnen die Argumente ausgegangen sind. Die inhaltsfreien Montagsdemos in Dresden werden vor allem durch Krach getragen. Sprüche wie Wir sind das Volk, Merkel muss weg und Volksverräter beeindrucken nur durch die Lautstärke des Vortrags und sind ganz leicht zu widerlegen. Sogar in Dresden sind die frustrierten Krawallmacher in der deutlichen Minderheit und bei aller Kritik an Angela Merkel, sie wurde demokratisch gewählt und die überwiegende Mehrheit der Deutschen steht hinter ihr. Politiker wie Trump und Erdogan bedienen sich gezielt dieser Form der Generierung von Aufmerksamkeit durch lautes Rasseln und Klappern. Gemeinsames Ziel der beiden autokratischen Populisten ist es die Massen mit reichlich Unwahrheiten und ohne Fakten und Analysen zum Kochen zu bringen. Glücklicherweise wird das nicht ewig gut gehen. Um noch einmal Tucholsky zu bemühen: Es gibt vielerlei Lärm, aber es gibt nur eine Stille.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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