Berlin: Festival des spirituellen Films

02.04.2017 | Rubrik: Bücher + Filme

Festival

Festival des spirituellen Films

Zum wiederholten Male wird in Berlin ein spirituelles Filmfestival angeboten. Diesmal ist der Veranstaltungsort das Bali Kino im Südwesten der Stadt. Wie die zahlreichen Male zuvor überzeugt das Programm in seiner Gesamtheit nicht wirklich, obwohl die eine oder andere Dokumentation ganz spannend klingt. Das Bali Kino in Zehlendorf ist trotzdem das ganze Jahr über einen Besuch wert.

Berlin ist die tollste Kulturstadt auf der ganzen Welt. Musik, Theater, Tanz, Literatur, Museen und natürlich Kino. Nirgendwo gibt es so viele Filmtheater, die ein wirklich gutes Programm jenseits vom Mainstream anbieten. Dazu kommt eine Vielzahl an Festivals und Filmwochen, die ganzjährig verteilt über die Stadtteile der Hauptstadt stattfinden. Das Flaggschiff ist die Berlinale, dazu kommen Kurz-, Dokumentar- oder Animationsfestivals, jüdische und arabische Filmwochen, jede Menge Veranstaltungen zu Themen wie Essen oder Fussball, Italien, Spanien, Frankreich und, und, und ….. . Nicht nur die Berlinale steht in den letzten Jahren in der Kritik, weil Stars, Kommerz und der rote Teppich an Bedeutung gewonnen haben und die Qualität darunter leidet. Da die zahlreichen guten Kinos in Berlin ein vielfältiges und hochwertiges Programm anbieten, haben manche Festivals ihren eigentlichen Sinn verloren. Die Filme werden im Gegensatz zu den meisten anderen Städten schon im Jahresprogramm gezeigt. Was bleibt, ist das Flair eines Festivals und nicht die Möglichkeit besondere Filme überhaupt sehen zu können. Im Berliner Südwesten steht das Bali für gutes Independent Kino, bei dem die Betreiber viel Zeit investieren und mit ihrem hochwertigen Programm im besten Fall gerade mal so über die Runden kommen. Die sehenswerten spanischen und italienischen Filmwochen haben hier ihren festen Platz. Am 7. April startet das Bali in Kooperation mit Nirvana Events und der Evangelischen Hochschule einen weiteren Anlauf sich mit einem spirituellen Filmfestival im Kulturkalender zu etablieren. Das hat man in der Hauptstadt in den letzten Jahren schon mehrfach an anderen Locations vergeblich versucht und auch 2017 ist das Programm nicht so kuratiert, dass es nach Wiederholung schreit. In anderen deutschen Grossstädten wie z.B. Nürnberg, Magdeburg, Essen, Rostock oder Leipzig würde ein Festival in der Form eher Sinn machen. In Berlin kennt man vieles schon aus dem ganz normalen Kinoprogramm. Ein gutes Festival lebt von Neugier, Enthusiasmus und Überraschungen; beim Ersten spirituellen Filmfestival Zehlendorf gehen die Veranstalter auf Nummer sicher und bieten viel Vorhersehbares. Innsaei ist letztes Jahr schon mit einem gewissen kommerziellen Erfolg durch die Berliner Kinos getingelt. Zwei der drei Abendveranstaltungen sind mit gefilmten Vorträgen von Eckhart Tolle belegt, dazu das übliche David gegen Goliath, Gross gegen Klein oder Wir retten unser Dorf mit staatlicher Unterstützung. Eckhart Tolle ist ein in der Szene respektierter Autor und Redner. Ist ein gefilmter Vortrag von ihm schon spirituelles Kino? Spannend klingen die Filme über Ruth Denison und Paul Celan und vielleicht auch die Dokumentation über einen dänischen Landwirt. Ein bisschen mehr Mut und Engagement würde den Veranstaltern des Festivals gut tun. Letztlich ist ein Besuch im Bali immer eine gute Option, denn es ist ein wunderbares Kino mit einem spannenden Programm. Poesie, Magie und Spiritualität haben hier das ganze Jahr über einen festen Platz im Spielplan.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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