Geschäftsmodell Verschwörungen Teil 3

02.03.2017 | Rubrik: Verschwörungstheorien

Faktencheck im SRF

Letzte Woche zeigte das Schweizer Fernsehen seinen Zuschauern eine Möglichkeit, wie man Verschwörungstheoretiker per Faktencheck überführen kann. Daniele Ganser und seine Anhänger aus dem gesamten rechten und völkischen Lager fanden das nicht so lustig und sehen sich als Opfer einer Medienkampagne.

Geschäftsmodell Verschwörungen Teil 2

Eigentlich sollte der Artikel über Verschwörungstheorien als Geschäftsmodell nur aus zwei Teilen bestehen, aber es gab letzte Woche ein mediales Ereignis, das bei dem Thema nicht unerwähnt bleiben kann. In der Schweizer Fernseh-Talkshow Arena ging es um Die Glaubwürdigkeit der Medien. Daniele Ganser repräsentierte in der Runde zusammen mit Claudio Zanetti von der Schweizerischen Volkspartei die medienkritische Position. Moderator Jonas Projer konfrontierte Ganser während der Sendung mit dieser Episode: Wenige Wochen zuvor hatte eine andere Schweizer Sendung namens Einstein über den Einsturz des World Trade Centers berichtet, als Ganser seinen Anhängern oder besorgten Bürgern über Twitter Folgendes mitteilte:

Daniele Ganser in einem Tweet an seine Follower:
die Sendung Einstein habe die Forschung zum Einsturz der Twin Towers als Verschwörungstheorie abgetan. Das Schweizer Fernsehen habe diffamiert statt aufgeklärt.

Das überrascht nicht wirklich, denn in seinen gut besuchten Vorträgen vor besorgten Bürgern beschreibt Ganser ähnlich wie Dahlke, Michael Vogt, Lisa Fitz, Jo Conrad und ihre Kollegen aus der Szene, wie uns die Medien gezielt falsch informieren. Das ist sein Geschäftsmodell, davon lebt er gut! Gleichzeitig hatte Ganser dem ihm offensichtlich bekannten Redaktionsleiter der Sendung Einstein ein Email geschickt:

Daniele Ganser in einem persönlichen Email an den Reaktionsleiter der Sendung Einstein:
der Beitrag über den Einsturz des World Trade Centers sei sachlich und fair gewesen.

Auf Twitter eine Schimpftirade an seine Anhänger, den besorgten Bürgern. Im persönlichen Mailverkehr mit dem Redaktionsleiter ein Schulterklopfen. Und das von jemand, der die Glaubwürdigkeit der Presse so massiv in Frage stellt und kommerzielles Medienbashing betreibt. Da hat sich der gute Ganser selbst demaskiert und ein klassisches Eigentor geschossen. Als er dies merkte, verlor er zunehmend die Fassung, warf dem Moderator Jonas Projer Unfairness vor, schrie und tobte und versuchte verzweifelt zu seinen klassischen Verschwörungsthemen zurückzukommen. Aber es war zu spät. Wie schon so oft sagte er danach, dass er sich entsprechende Schritte überlege, aber erst nach dem anstehenden Skiurlaub.

Nur damit keine Missverständnisse auftreten: Natürlich müssen wir den Medien misstrauen. Das ist aber kein Grund um auf die oben genannten Rattenfänger reinzufallen, sondern die Notwendigkeit sich seine Informationen aus verschiedenen seriösen Quellen zu holen. Davon gibt es im deutschsprachigen Raum noch eine ganze Menge. Nicht aus irgendwelchen komischen Internetkanälen, die alle in einem Studio in Sachsen aufgenommen werden. Blind vertrauen konnte man den Medien noch nie! Das hat auch nie irgendwer behauptet. Die Typen, mit denen sich Ganser zu gut bezahlten Vorträgen trifft, wollen zurück in die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte. Dass sich Ganser selbst den Titel Friedensforscher gegeben hat, ist natürlich ein absoluter Witz; sowohl aus der Sicht des Friedens als auch aus der Sicht der Forschung.

Seine Chancen den Peinlichkeitspreis Goldenes Brett dieses Jahr zu gewinnen sind deutlich gestiegen.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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