Geschäftsmodell Verschwörungen Teil 2

28.02.2017 | Rubrik: Verschwörungstheorien

Rhetorik

Mit Verschwörungstheorien und brauner Esoterik lässt sich gut Geld verdienen. Gerade für Prominente, die in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen drohen, ist es oft der letzte Strohhalm. So treffen sich in dieser Szene, zwischen Esoterik und Verschwörungstheorie, auffällig viele Menschen mit Geldproblemen.

Geschäftsmodell Verschwörungen Teil 1

Ein anderer, der aus diesem Trend ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt hat, ist Heiko Schrang. Früher lebte er vom Verkauf von Immobilien und Versicherungen. Jetzt schreibt er Bücher über Verschwörungstheorien, betreibt einen rechten Internetkanal mit Blog und hält Vorträge. Er sympathisiert mit den Reichsbürgern, bedient fast alle gängigen Verschwörungstheorien und weigert sich die GEZ Gebühren zu zahlen, was ich aus völlig anderen Gründen durchaus nachvollziehen kann. Sein postfaktisches Handbuch für Verschwörungstheorien „Die Jahrhundertlüge….“ verkauft sich sehr gut und ist angeblich schon bei der 10. Auflage angekommen. In seinem Blog beschreibt er, wie das SEK der Landespolizei einen wehrlosen Reichsbürger abknallt, was exemplarisch für die ganze Szene ist: man behauptet und viele glauben die Geschichte, obwohl es rein faktisch exakt umgekehrt war. Und genau mit diesem Heiko Schrang trifft sich jetzt die Kabarettistin Lisa Fitz vor laufender Kamera und outet sich als Fan seines Bestsellers. Man ist sich darüber einig, dass es in Deutschland keine echte Pressefreiheit gibt und dass die armen Russen von unseren Mainstreammedien immer nur schlecht gemacht werden. Ein ähnliches Interview hat die gute Lisa Fitz kurz zuvor dem von Russland finanzierten Internet-Sender RT Deutsch gegeben. Dafür dass sie in einem russischen Sender sagt, dass es in Deutschland keine echte Pressefreiheit gibt, wird sie von der rechten Szene gefeiert, gelobt und oft zitiert. Begriffe wie postfaktisch und rechtspopulistisch beschreiben Lisa Fitz ziemlich gut. Natürlich sollte man sich seine Meinung zu Russland nicht nur aus der Springerpresse holen; auf der anderen Seite ist Russland ein autoritärer Staat, in dem Journalisten im Gefängnis sitzen und oppositionelle Blätter schikaniert, verfolgt und geschlossen werden. Soviel zur echten Pressefreiheit. Die jungen Frauen und Mütter von Pussy Riot verbrachten für ihre Performance in der orthodoxen Kathedrale fast zwei Jahre im sibirischen Arbeitslager. Homosexuelle, Regimegegner und Andersdenkende sind Opfer von Gewalt und werden vom Staat im besten Fall allein gelassen. Vieles spricht dafür, dass der russische Geheimdienst gezielt über Falschmeldungen und anderen schmutzigen Tricks versucht, Wahlen in Europa und Amerika zu beeinflussen, um so die jeweiligen Regionen zu destabilisieren. Die häusliche Gewalt wurde vor kurzem in Russland zum Kavaliersdelikt erklärt und Oppositionspolitiker werden vor Wahlen regelmässig verurteilt, so dass sie nicht mehr daran teilnehmen können. Zur Idealisierung taugt Russland noch weniger als die USA. Es gibt viele Möglichkeiten die nicht ganz einfache Weltsituation zu beschreiben. Sowohl Lisa Fitz als auch Daniele Ganser haben die Form gewählt, die sich am besten mit ihrem Marketingkonzept verträgt; ganz sicher nicht die Beschreibung, die die Realität möglichst objektiv und differenziert abbildet. Cui bono? Wem nutzt es? Beide machen gutes Geld mit diesen Thesen. Die bald 70jährige Lisa Fitz praktiziert dieses Marketingkonzept schon seit ein paar Jahrzehnten mit Erfolg. Nach den Aktionen spricht man wieder über sie; genauso wie nach Ihrem Kuba-Urlaub, als sie sich den jugendlichen Giovanni als Souvenir mitbrachte oder bei Ihrem Aufenthalt im Dschungelcamp oder bei den vielen anderen peinlichen Geschichten, die sie ausführlich und medienwirksam mit vielen Bildern in der Regenbogenpresse verbreiten liess. Hauptsache Lisa kommt wieder vor. So geht Showbusiness!

Für die Hörbuchversion seines Bestsellers konnte Heiko Schrang den Schauspieler Horst Janson als Sprecher gewinnen. Der Sympathieträger aus der Sesamstrasse ist einem Bauherrnmodell und seinem Steuerspartrieb auf den Leim gegangen und musste Privatinsolvenz anmelden. Janson, der früher nie mit der rechten Szene in Verbindung gebracht wurde, tritt jetzt regelmässig auf Veranstaltungen der Wonderful Events GmbH am Starnberger See und Ammersee auf. In der Reihe Seegespräche diskutieren die üblichen Protagonisten aus der rechten Szene über die Zukunft Deutschlands, das Finanzsystem im Allgemeinen und über esoterische Themen. Auffallend viele dieser Experten begleiten Geldprobleme und Insolvenzen. Eva Herman, die frühere Ms. Tageschau, ist ähnlich wie Horst Janson mit steuersparenden Bauherrnmodellen in den neuen Bundesländern in die Privatinsolvenz gegangen. Bei Franz Hörmann, einem der lautesten und bekanntesten Kritiker unseres Finanzsystems, haben sich nach eigenen Angaben einige Projekte nicht so entwickelt wie gewünscht und so zu seiner Insolvenz geführt. Der Geschäftsführer der Wonderful Events GmbH Stefan Hief ist vor 6 Jahren mit einem Solarpark als Anlageobjekt in die Insolvenz gegangen. Hinter dem Solarpark stand noch vor ihm ein Konstrukt aus mehreren GmbHs in Deutschland und in der Schweiz; Stefan Hief war nur Geschäftsführer. Das hat für ihn den Vorteil, dass er nur sehr begrenzt haftet und für die Gläubiger, die geschädigten Anleger und Dienstleister, den Nachteil, dass sie nur sehr schwer an ihr Geld kommen. Die juristische Abwicklung der Insolvenz des Solarparks ist knapp 6 Jahre danach immer noch nicht abgeschlossen. Der Firmensitz seiner neuen GmbH Wonderful Events ist trotzdem im Münchner Nobelvorort Grünwald. Die Seegespräche Starnberg und Ammersee moderiert er zusammen mit Robert Spengler, der in der völkischen Szene gut vernetzt und bekannt ist. Spengler trifft sich unter seinem Pseudonym Robert Stein regelmässig zu Internetgesprächen mit dem schon erwähnten Schweizer Wissenschaftspopulisten Daniele Ganser. Die Seegespräche finden im vornehmen Schloss Kempfenhausen in Starnberg oder an ähnlichen noblen Orten am Ammersee statt. Hief, der als Hobbies Segeln, Ski fahren, Cabrio-Touren, Autos und gutes Essen angibt, versucht durch die schicken Locations den Eindruck von Seriosität und Kompetenz zu vermitteln; das kann er als ehemaliger Versicherungsmakler und Anlageberater bestimmt gut. Man sollte auf jeden Fall über unser Finanzsystem sprechen und es durchleuchten; die Frage ist, ob das die kompetenten Diskussionsrunden sind oder nur ein Vorwand um rechtes Gedankengut und seltsame Verschwörungstheorien gewinnbringend zu verbreiten. Cui bono?

Die in diesem Artikel erwähnten Personen stehen repräsentativ für eine Szene, die grösser wirkt, als sie in Wirklichkeit ist. Die Szene ist sehr umtriebig und ihre Mitglieder begegnen sich wie im Swingerclub der Querfront immer wieder in neuen Konstellationen. Da trifft sich der ehemalige Linke Albrecht Müller von den Nachdenkseiten mit Typen wie KenFM und gibt dem russischen Propagandasender RT Deutsch bereitwillig Interviews. Verlage wie Kopp, Compact oder Michael Vogts Querdenker verdienen richtig gute Kohle mit Verschwörungstheorien, Israelfeindlichkeit oder Xenophobie im Allgemeinen. So interviewen sich dieselben Protagonisten, teilweise unter verschiedenen Pseudonymen, immer wieder gegenseitig in dubiosen Internetsendern, von denen ein Grossteil aus nur einem Studio in Leipzig kommt. Bei dem Leipziger Studio wird einfach nur die Kulisse ausgetauscht und 20 Minuten später kann der nächste braune Verschwörungstheoretiker seine Sendung aufnehmen. Cui bono? Dem Zuschauer werden durch den einfachen Kulissenwechsel zahlreiche unterschiedliche Studios an verschiedenen Orten vorgegaukelt. Lassen Sie sich dadurch nicht täuschen; die Szene ist umtriebig, aber deutlich kleiner als sie sich gibt. Es gilt das Prinzip Jeder mit Jedem.

Geschäftsmodell Verschwörungen Teil 3

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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