Wahlkampf mit NLP, Rhetorik und anderen Tricks

04.01.2017 | Rubrik: Allgemein

Manipulation - dirty Tricks

Wahlkämpfe werden zunehmend durch manipulative Techniken, wilden Behauptungen und vor allem in den sozialen Medien entschieden. Eine wesentliche Rolle spielt NLP, das ursprünglich mal eine Therapieform war und rhetorische Tricks wie der kalkulierte Skandal.

Der Methodenmix NLP hat seine Ursprünge im Kalifornien der 70iger Jahre als Neuro-Linguistisches Programmieren. Die beiden Wissenschaftler Richard Bandler und John Grinder forschten bezüglich effektiven Kurzzeittherapien und sahen sich die bestehenden Optionen genauer an. Sie entwickelten einen Mix aus den besten Varianten, NLP war geboren. Der Erfolg war relativ schnell sichtbar und alle glücklich, bis die Werbung erkannte, dass man mit NLP die Menschen auch für seine persönlichen Zwecke manipulieren kann. So wurde aus einer versprechenden Kurzzeittherapie eine äusserst effektive Verkaufsmethode, der sich fast niemand mehr entziehen kann. Man sieht das im Verkaufsfernsehen, bei den Pfingstkirchen, Verschwörungstheoretikern, auf Vorträgen und bei manchen esoterischen Gurus. Die eigentlich gute Idee der effektiven Kommunikation wird für Werbezwecke missbraucht. Der therapeutische und heilende Aspekt der Methode existiert nur noch im Hintergrund. Ohne die vom NLP abgeleiteten Verkaufstechniken würde es auch in der ganzheitlichen Szene nicht so viele Coaching Portale oder Vorträge in grossen Hallen geben und das Geschäft mit der Ratgeberliteratur würde nicht so blühen. Viele unserer Bestsellerautoren haben in ihrer Vita NLP als einzige belastbare Ausbildung stehen. Wenn man sich die Themen der NLP Fachkongresse in Deutschland, Österreich und der Schweiz anschaut, erkennt man, dass es mittlerweile fast nur noch um Verkaufen geht. Die Therapeuten und Psychologen, die NLP im ursprünglichen Sinne nutzen, sind klar in der Minderheit, obwohl viele von ihnen wirklich brillant sind. Leider muss man sich konzentrieren und ihnen zuhören. Bei den NLP-basierten Vorträgen von Rechtspopulisten ist das nicht nötig, die sprechen nur existierende Gefühle ihrer Besucher an.

Bei der gerade zu Ende gegangenen Präsidentschaftswahl in Österreich hat sich im dritten Versuch der Kandidat der Grünen Alexander von der Bellen gegen den rechtspopulistischen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer durchgesetzt. Die TV-Duelle der beiden waren immer zäh und schafften es fast nie bis zu den relevanten Inhalten. Alexander von der Bellen warf Norbert Hofer mehrmals vor, er würde Hass und Zwietracht säen und versuchen die Diskussion mit NLP und rhetorischen Tricks rein populistisch und jenseits von Inhalten für seine Wahl zu nutzen. Der FPÖ Kandidat bestritt dies und entfernte auf seiner Internetseite sämtliche Bezüge zu diesen manipulativen Techniken. Aber so schnell vergisst das Internet nicht. Hofer hat längere Zeit als Kommunikationstrainer und Rhetorikcoach gearbeitet und NLP unterrichtet. Das Magazin Falter hat verschiedene Szenen aus den TV-Duellen zusammengeschnitten und sie online gestellt. Immer wieder und ohne Zusammenhang erinnert Hofer an das fortgeschrittene Alter seines Kontrahenten und impliziert, dass von der Bellen weder körperlich noch geistig für dieses hohe Amt gewappnet ist. Die manipulativen Techniken haben bei den Rechtspopulisten der Alpenrepublik Tradition. Die FPÖ unterrichtet NLP, Rhetorik etc schon seit Anfang der 90iger Jahre in ihrer Kaderschule und gibt diese dirty Tricks gerne auch an befreundete Parteien in Nachbarländer weiter. Mit der hiesigen AFD steht sie in einem intensiven Austausch. Wir kennen diese Art der populistischen politischen Diskussion von Petry, Höcke und von Storch aus den nicht enden wollenden Talkshows. Die Genannten werden in den verbleibenden Monaten mit grosser Wahrscheinlichkeit an ihren manipulativen Fähigkeiten arbeiten und versuchen mit diesen Techniken inhaltliche Diskussionen abzuwehren. Schon die Nationalsozialisten im Dritten Reich praktizierten erfolgreich den kalkulierten Skandal. Was wir heute in den sozialen Medien und Talkshows sehen, ist die mehr oder weniger bewusste Fortsetzung dieser unappetitlichen Praxis. Was uns bei der Bundestagswahl im nächsten Herbst erwartet, ist ganz schön gruselig. Markus Pretzell, Lebensgefährte von Frauke Petry, twitterte kurz nach dem mörderischen Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt von Merkels Verantwortung für die Toten. So funktioniert der kalkulierte Skandal und bringt einen Rechtspopulisten in die Medien. Die Gefahr, dass sich die etablierten Parteien auf das Niveau der Populisten begeben, ist gross, nicht nur bei Herrn Seehofer!

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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