11 Fragen an Florian Palzinsky

31.01.2017 | Rubrik: 11 Fragen

Florian Palzinsky - Yoga & Meditation

Nach 11 Jahren als Bettelmönch in Sri Lanka kehrte Florian Palzinsky 2004 ins Salzkammergut zurück und reist seit dem mit seinen Workshops für Yoga und Meditation durch Österreich und Europa.

Anfang der 90iger, wenige Jahre nach seiner Matura (Abitur) entschloss sich Florian Palzinsky das sichere und bequeme Leben im Salzkammergut hinter sich zu lassen und als buddhistischer Mönch nach Asien zu gehen. Den grössten Teil dieser 12 Jahre dauernden Phase des materiellen Verzichts und des materiellen Verzichts und der meditativen Praxis verbrachte Florian in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Sri Lanka. In seinem lesenswerten Buch Wie ein Fremder im Paradies berichtet er spannend und mitreissend von diesen wichtigen Jahren. Als er sich 2004 entschloss das Leben als buddhistischer Mönch aufzugeben, suchte er nach einer Möglichkeit, in der ihm mittlerweile etwas fremd gewordenen westlichen Umgebung seiner Heimat zu überleben. Er beschloss, Yoga und Meditation weiterhin als zentrale Elemente in seinem Leben zu lassen und bietet seitdem Seminare und Workshops in ganz Europa an; einige Kurse finden auch in seinem Elternhaus, der Oedmühle am Irrsee, statt. Neben Yoga und Meditation beschäftigt sich Florian sehr intensiv mit der Transpersonalen Prozessarbeit, einer Methode, die Psychotherapie mit Meditation und Spiritualität verbindet.

11 Fragen an Florian Palzinsky….

1. Was geben Sie als Berufsbezeichnung an?

Florian Palzinsky: Yoga- und Meditationslehrer – das ist mein Brotberuf. Aber ich könnte mich als mit spiritueller Lebenskünstler beschreiben, denn meine Berufung liegt nicht nur darin, andere auf ihren spirituellen Weg zu unterstützen, sondern selber diesen individuellen Weg zu gehen – so gut und konsequent, wie es mir eben gerade möglich ist. Und dazu gehören meine Auszeiten in Indien wo meine eigene meditative Praxis mehr im Vordergrund steht. Diese Losgelöstheit von beruflichen und weltlichen Aufgaben relativieren einerseits meine Verpflichtungen zu Hause und im Alltag, aber inspirieren sie auch in einer ganz besonderen Weise.

2. Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Florian Palzinsky: Ganz früher wollte ich Baumeister werden – und das bin ich in einer Art auch geworden; allerdings für Aufenthaltsorte die nicht greifbar sind, denn es geht mir jetzt um das eigene seelische zu Hause: der einzige Ort, wo wir uns tatsächlich wohlfühlen können, ganz unabhängig von äusseren Umständen. Später wollte ich Künstler oder Schriftsteller werden und das bin ich im ganz kleinen Rahmen ebenfalls geworden; allerdings liegt mein Schwerpunkt nicht so sehr auf der künstlerischen oder literarischen Ausdrucksweise, sondern auf der spirituellen Ebene.

3. Was bedeutet für Sie gutes Essen?

Florian Palzinsky: Gutes Essen sind für mich Lebens-Mittel, die sattvisch sind: ein Sanskrit-Wort das Ausgeglichenheit bedeutet. Darunter versteht man Nahrung die frisch, regional, biologisch, einfach und leicht verdaulich ist und mit viel Liebe zubereitet wurde. Es ist sicherlich kein Zufall, dass ich mit einer Frau verheiratet bin, die ayurvedische Ernährungsexpertin ist, und die beste Köchin, die ich kenne!

4. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Haben Sie Hobbies?

Florian Palzinsky: Meine spirituelle Praxis in Form von Meditation, Yoga, spirituelle Literatur, etc. steht dabei im Vordergrund; egal ob zu Hause oder während meinen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt. Mit meiner Frau bin ich mindestens drei Monate im Jahr in Asien, wobei wir die meiste Zeit an Stammplätzen in Indien verbringen, die schon zu einer Art zweiten Heimat geworden sind. In Österreich wohne ich im Salzkammergut, ein idealer Platz, wo ich gerne Hobbies wie Bergsteigen, Radfahren oder Schwimmen nachgehe.

5. Haben Sie Schwächen? Welche?

Florian Palzinsky: Schwächen sind genügend vorhanden und darüber kann meine Frau am besten Auskunft geben : )
Aus meiner subjektiven Sichtweise, ist Geduld nicht immer meine Stärke. Ausserdem neige ich bei bestimmten Menschen dazu sie zu kritisch oder gar zynisch zu beurteilen und ihnen so zu begegnen. Manchmal sind mir auch bestimmte Dinge oder Tätigkeiten einfach egal oder erscheinen mir sinnlos, obwohl sie für andere sehr wichtig sind, aber das sehe ich nicht unbedingt als Schwäche.

6. Wen würden Sie gerne kennen lernen? Haben Sie Vorbilder?

Florian Palzinsky: Die zwei Menschen, die mir in spiritueller Hinsicht am meisten am Herzen liegen, und die ich um alles in der Welt gerne getroffen hätte, sind nicht mehr am Leben: Sri Ramana Maharshi, der 1950 in Süd-Indien verstorben ist, und Robert Adams, 1997 in den USA. Beide sind auch meine spirituellen Vorbilder, denn sie hatten – soweit ich das über ihre Aussagen einschätzen kann – einen unerschütterlichen transpersonalen Zustand erreicht, durch den sie von allen den menschlichen Dramen unberührt blieben. Und trotzdem – oder gerade deswegen – empfanden sie eine bedingungslose Liebe gegenüber der ganzen Welt und allen Wesen. Andere Vorbilder sind Mahatma Gandhi, Hermann Hesse, John Lennon, der Dalai Lama, und ein paar wenige spirituelle Lehrer, die mich durch ihre Weisheit und Demut beeindrucken.

7. Was bedeutet für Sie Erfolg?

Florian Palzinsky: Auf spiritueller Ebene bedeutet für mich Erfolg, dass ich meditative Einblicke in jene unvorstellbare undenkbaren Wirklichkeit bekomme, die jenseits unserer sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten und der Logik unseres Verstandes liegen; oder zumindest eine Ahnung davon. Auf weltlicher Ebene bedeutet für Erfolg, eine gesund Work-Life Balance zu leben: d.h. verlässlich, pflichtbewusst und kompetent in meinem Beruf als Lehrer zu sein, aber trotzdem das Leben so zu gestalten, dass auch andere Prioritäten im Leben ihren stimmigen Platz bekommen. Anders gesagt: Ich lebe nicht um zu arbeiten und dabei Erfolg zu haben, sondern ich arbeite um mir ein authentisches und stimmiges Leben zu ermöglichen.

8. Was sind Ihre wichtigsten Pläne für die Zukunft?

Florian Palzinsky: Im Leben möchte ich mir künftig mehr Freiräume für meine spirituelle Praxis schaffen, sei es vermehrt im Alltag zu Hause aber auch durch längere Auszeiten in Indien. In meiner Beziehung möchte ich auch weiterhin die Möglichkeiten geniessen, gemeinsam zu reisen, zu arbeiten, sich zu ergänzen und zu unterstützen. Auf beruflicher Ebene möchte ich vertieft meine Erfahrungen und meine Leidenschaft für Meditation und Spiritualität weitergeben.

9. Wie ist Ihr Verhältnis zum Hier und Jetzt?

Florian Palzinsky: Das Leben findet IMMER nur im Hier und Jetzt statt, alles andere ist, meiner Meinung nach, nur Wunschdenken und Illusion. Wenn ich das wirklich erfahre und darum geht’s mir in der Meditation, dann lösen sich alle Probleme, die wir uns durch falsche Identifikationen und Gedanken selber geschaffen haben, ganz von selber auf und wir sind einfach nur glücklich.

10. Welche Bücher empfehlen Sie Menschen auf der Suche?

Florian Palzinsky:

    Stille des Herzens von Robert Adams
    Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala von Sri Ramana Maharshi
    Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffel schälen von Jack Kornfield
    Der Sprung in den Brunnen von Hubertus Halbfas

11. Was bedeutet für Sie Religion/Gott?

Florian Palzinsky: Das göttliche Prinzip ist meiner Meinung nach nicht etwas, das ausserhalb von mir liegt, sondern meine innerste Essenz repräsentiert, die zeit- und bedingungslos ist und im Hinduismus Brahman, das Absolute, genannt wird.
Zusätzlich würde ich auch die karmische Gesetzmässigkeit als göttlich Kraft oder Wille definieren, durch die jeder genau das an Erwünschtem und Unerwünschtem bekommt, was er tatsächlich verdient. D.h. man ist eigentlich immer am richtigen Platz zur richtigen Zeit, egal ob unser Ego damit einverstanden ist, oder sich dagegen sträubt. Im Gegensatz zur Spiritualität, bei der es um Bewusstsein-Sein geht, werden bei den verschiedensten Religionen oft unreflektiert Glaubenssätze und Gesetzmässigkeiten befolgt; einerseits um ein schlechtes Gewissen zu beruhigen, andererseits um das Ego zu befriedigen. Trotzdem kann eine Religion, solange sie nicht zu fanatisch ausgeübt wird, eine wertvolle Orientierung fürs Leben sein, um nicht zu sehr von den weltlichen Hochs und Tiefs ausser Balance gebracht zu werden.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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