Vegan – Gesund oder Mode

19.12.2016 | Rubrik: Ratgeber

Falafel - sehr lecker und vegan

Vor 4 Jahren wollten die Grünen den Veggieday in öffentlichen Kantinen einführen. Nach der Lautstärke der Proteste hätte es auch die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 130 für deutsche Autobahnen sein können. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Veganer kontinuierlich. Die gesunde Ernährung liegt jenseits solcher Ideologien irgendwo dazwischen.

Immer mehr junge Menschen verzichten ganz auf Tierprodukte und ernähren sich vegan. Sie wollen etwas für ihre Gesundheit tun und ein Zeichen gegen die Massentierhaltung setzen. Leider wird vegan und gesund oft miteinander verwechselt. Sie glauben, dass nur eine vegane Ernährung gesund sein kann. Pommes mit Ketchup und eine Cola ist ganz sicher vegan, sollte man aber im Rahmen einer gesunden Ernährung nur alle paar Monate verzehren. Vegan ist angesagt. Mit dem Thema beschäftigen sich verschiedene Zeitschriften und jede Menge Blogs, die alle ganz gut davon leben können; vegane Kochbücher finden sich in den Bestsellerlisten ganz weit oben. Startups haben das Potential erkannt und bieten fleischlose Ersatzprodukte wie die vegane Weihnachtsgans, das Fisch- und Hühnerfilet, Schnitzel oder Wienerwürstchen an. Alles aus Soja und geschmacklich nicht vom Original zu unterscheiden; wer´s glaubt ….. So wird interessierten Menschen der Fleischverzicht nahegebracht. Dazu kommen noch verschiedene Arten von Sojakäse und Sojamilch, da man nicht auf Käsebrot und Cappuccino verzichten will. Die Unternehmen, die diese Ersatzprodukte herstellen, boomen und müssen Extraschichten schieben, da die Nachfrage sonst nicht bedient werden kann. Mittlerweile stehen Tofuwürstchen, Sojakäse und Sojawurst schon bei den Discountern im Kühlregal. Das alles sind künstliche Produkte, die lange chemische Prozesse durchlaufen haben. Wenn ich aus Sojabohnen hergestellte Milch oder Käse sehe, kann ich mir nicht vorstellen, dass dies gesünder sein soll als ein leckerer Höhlenkäse oder frische Milch von Kühen auf der Weide. Die Biokartoffeln aus dem fragwürdigen Bewässerungsprojekt in der ägyptischen Wüste beim Discounter sind nicht unbedingt besser als die Lagerkartoffeln vom Bauern auf dem Wochenmarkt, der sich für seinen kleinen Betrieb das teure Biozertifikat nicht leisten kann.

Weltweit wird überwiegend genmanipuliertes Soja angebaut. In Südamerika werden ländergrosse Flächen des so wichtigen tropischen Regenwaldes brandgerodet, um darauf zuerst unvorstellbar grosse Rinderherden weiden zu lassen und danach Ackerflächen für den Anbau von genmanipuliertem Soja zu haben. Das Ganze in Dimensionen, die wir uns als Mitteleuropäer nur sehr schwer vorstellen können. Ich denke mal, dass der kleine Hersteller von Tofu und anderen Sojaprodukten für Naturkostläden und Biomärkte auf Qualität und Herkunft seiner Sojabohnen achtet; aber grundsätzlich ist ein gewisser Grad an Misstrauen bei dem momentan Hype durchaus angebracht. Und für alle, die vor der Kühltheke im Discounter stehen: die Tofuwürstchen sind auf jeden Fall die bessere Wahl als abgepacktes Hackfleisch oder Hühnerfilets. Im Durchschnitt essen wir zu viele tierische Produkte aus Massentierhaltung, die vorwiegend über den Preis verkauft werden. Daran sollte unsere Gesellschaft arbeiten! Auf der anderen Seite greifen Menschen zu Produkten, nur weil sie Zertifikate wie Vegan oder Bio tragen und achten weder auf regionale Herkunft noch auf Nachhaltigkeit. Vegane Ernährung ist nicht identisch mit gesunder Ernährung. Bei der gesunden Ernährung geben Sie dem Körper, was er braucht: viel frisches Obst und Gemüse, verschiedene Hülsenfrüchte, Nudeln und Reis, gerne auch Soja und Tofu, genug Wasser, wenig Alkohol und vieles andere, am besten regional oder biologisch und variabel. Das kann man bestimmt auch ohne tierische Produkte tun; nur sollte man diese Mode nicht überbewerten.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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