Yogalehrerausbildung, das lukrative Geschäft

30.11.2016 | Rubrik: Allgemein

Für die Yogastudios ist die Ausbildung ein grosser und wichtiger Teil ihres Einkommens, ohne den viele ihren Laden dicht machen könnten. Für die Teilnehmer der Kurse ist es eine grosse Illusion, denn nur ein verschwindend kleiner Teil wird diesen Beruf irgendwann einmal ausüben.

Irgendwann wird der Wettbewerb die erste DIN Norm für Yogastudios und Yogalehrer produzieren; der Tag ist nicht mehr so weit entfernt. Bis dahin gibt es die Zertifikate der Berufsverbände, die den ungeschützten Begriff Yogalehrer ein wenig aufbessern sollen. In Deutschland gibt es mehr als 10 dieser Zusammenschlüsse, für Österreich und die Schweiz kommen noch mal 5 dazu. Sinn und Zweck dieser Verbände ist die bessere Vermarktung, obwohl das natürlich keiner zugeben würde. Vor 10 Jahren haben sich die grösseren Verbände zum Dachverband DYD (Deutscher Yoga Dachverband e.V.) zusammengeschlossen. Damals war der BDY (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V.) grösster Teil des neu gegründeten Dachverbandes, mittlerweile konkurriert der BYV (Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer) um diese Position. Die Yoga Vidya Maschine bildet aufgrund ihrer unglaublich günstigen Preise jedes Jahr weit über 1000 Yogalehrer aus und die einzige Funktion des BYV ist diese neuen Lehrer weiterhin an Yoga Vidya zu binden. Der fast zu vernachlässigende Jahresbeitrag von ermässigt 15 € hilft dabei. Da Yoga Vidya gemeinnützig und steuerbefreit ist, kann kein anderer Anbieter (ausgenommen Sivananda Yoga) preislich mithalten. Ob das aggressive Marketing mit der Gemeinnützigkeit des Vereins zu vereinbaren ist, kann man durchaus bezweifeln. Dazu kommt, dass es keinen echten Markt für diese Armee von neuen Yogalehrern gibt; bestenfalls jeder zehnte Absolvent hat die realistische Chance die Profession irgendwann einmal ausüben zu dürfen.

Schon seit längerem haben fast alle Zentren die wirtschaftliche Bedeutung der Ausbildung zum Yogalehrer erkannt, ohne die ihre Existenz stark gefährdet wäre. Die Anbieter sind die grossen Profiteure der Szene, nur ein Bruchteil der Teilnehmer wird diesen Beruf irgendwann ausüben können. Die kürzeste Ausbildung zum Yogalehrer dauert 9 Tage und kostet fast genauso viel wie der ganze Monat bei Yoga Vidya inklusive Übernachtung und Vollpension. Zweifel am Sinn der Ausbildung im Schnelldurchlauf sind berechtigt. Auch in den 4 Wochen bei Yoga Vidya wird keiner zum echten Yogalehrer. Die Teilnehmer belegen eine sehr intensive 4-wöchige Yogareise zu einem fairen Preis und erhalten am Ende noch dieses Zertifikat. Damit können die meisten leben. Ein echtes Problem, besonders in den hochpreisigen Angeboten, sind die fehlenden Ausstiegsmöglichkeiten bei den Blockseminaren. Auch wenn Sie die Ausbildung aus welchen Gründen auch immer nach dem ersten Wochenende abbrechen, müssen Sie in der Regel den ganzen Betrag bezahlen. Das sind oft über 10.000 Euro und ist so definitiv nicht in Ordnung. Die AGBs in den Schickimicki Studios sind allgemein gruselig. In der Berliner Yogaschule Samtosha bietet Elisabeth Landolt-Tiedje für insgesamt 5500 Euro eine vier- bis fünfjährige Ausbildung in Wochenendblöcken an, in der sich die Teilnehmer von Jahr zu Jahr entscheiden, ob sie weitermachen. So ein grosser Zeitraum mit der beschriebenen Option scheint eher Sinn zu machen für eine komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe. Der Regisseur und Produzent Geissendörfer begleitet in der Dokumentation Im Kopfstand zum Glück fünf Männer und Frauen, die aus dem Berufsleben heraus eine zweijährige Ausbildung zum Yogalehrer in einer eher hochpreisigen Yogaschule absolvieren, die trotz fortgeschrittenen Alters ohne Unterstützung der Eltern wahrscheinlich nicht zu finanzieren wäre. Die Biografien der Teilnehmer in der Doku waren geschönt und trotz des „guten Rufes“ des Ausbilders sieht es so aus, als ob kein einziger der Protagonisten fünf Jahre später als Yogalehrer arbeitet.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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