Sterben – was passiert, wenn das Leben zu Ende geht?

03.11.2016 | Rubrik: Allgemein

Sterben wird immer mehr zum Tabuthema und findet immer seltener zu Hause im Kreis seiner Liebsten statt. Die Bräuche rund um das Sterben, die Angehörigen und Freunden Halt und Zuversicht gaben, werden kaum noch praktiziert.

Manche nennen es die letzte Reise, ewige Ruhe, Heimkehr oder Rückkehr, Indianer sprechen von den ewigen Jagdgründen. Jede der grossen Weltreligionen hat ihre eigene Vorstellung, aber oft gibt es in den verschiedenen Glaubensrichtungen unerwartete Gemeinsamkeiten und Überschneidungen. Das gilt auch für die Rituale, die nach dem Tod einsetzen und meistens auf sehr alten Traditionen beruhen; sie geben Halt für Freunde und Angehörige und helfen Ihnen dabei, Trauer und Abschied besser zu bewältigen. Der November ist der Monat, in dem das christliche Abendland traditionell seiner Toten gedenkt. Dazu gehören Besinnung und Reflexion, Friedhofsbesuche, das bewusste Lesen der Herbst-Gedichte von Rainer Maria Rilke und so viel mehr. Leider passt das nicht zu einer Gesellschaft, die vorwiegend Ratgeberliteratur liest und lieber auf Halloween-Parties als auf Friedhöfe geht. Wer will sich schon mit dem Tod beschäftigen? Man verdrängt und hält das Thema auf Distanz.

Der Komiker Woody Allen beantwortete die Frage nach seinem Verhältnis zum Sterben folgendermassen: er sei vehement dagegen und würde es sogar verbieten, wenn er nur könnte. Ähnlich geht es einem Grossteil der Menschen, die den Tod am liebsten in überhaupt keiner Form an sich ranlassen. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum so wenige Autofahrer einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen oder einen Organspenderausweis mit sich führen? Man will keine Berührung mit dem Thema. Und wenn sich so ein Fall ankündigt, lagert man ihn aus: in Krankenhäuser, Altersheime und Hospize. Das ist merkwürdig, denn der Tod ist das einzige, was schon bei unserer Geburt feststeht. Der Neugeborene weiss nicht, ob er arm oder reich, hetero oder homo, glücklich oder unglücklich sein wird; er weiss nur, dass er irgendwann sterben muss. In den vielen Tausend Jahren unserer Menschheitsgeschichte ist es bisher allen so ergangen und doch will ein Grossteil unserer Gesellschaft nichts damit zu tun haben. Dabei geht es nicht darum den Sinn des Todes zu verstehen, sondern sich den Übergang vom Leben in den Tod vorstellen zu können; ein angedeutetes Bild davon zu haben und ihm so ein wenig von seinem Schrecken zu nehmen. Der äusserst interessanten Frage, was bei unserem Tod passiert, können wir uns nur annähern, es gibt keinerlei Gewissheit darüber. Diese Form der Transzendenz kann von unserer weltlichen Position aus nicht wirklich in Worte gefasst werden.

Sterben – was passiert, wenn das Leben zu Ende geht? Teil 2

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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