Rüdiger Dahlke und Christian Wulff 2

07.11.2016 | Rubrik: Verschwörungstheorien

©Liane Dietrich / WAP Werbeagentur, KL

Was haben der esoterische Rechtspopulist Rüdiger Dahlke und der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff gemeinsam? Mehr als man normalerweise denken würde!

Rüdiger Dahlke und Christian Wulff 1

In dem Artikel im Schweizer Magazin Spuren rechtfertigt sich Dahlke weiter: Schuld am Scheitern seines ganzheitlichen Zentrums waren neben den Banken die lächerlichen Auflagen der Aufsichtsbehörde; nicht der fehlende Businessplan oder dass sich der verliebte Dahlke in sehr kostspieligen esoterischen Details verloren hatte. Die lokale Aufsichtsbehörde trägt laut Dahlke die Schuld daran, dass er seine 20 Angestellten nicht mehr weiterbeschäftigen konnte. Natürlich sind auch die Steuerbehörden schuld, denn die verlangten für den Hotel- und Gaststättenbetrieb die gesetzlichen Umsatz- und Einkommenssteuern. Und genau in diesem Augenblick bot sich ein Schweizer Bankier aus Dahlkes Umfeld an, Tamanga zu einem günstigen und fairen Kredit weiter zu finanzieren. Und als das österreichische Finanzamt die Steuer für Dahlkes Bucherträge verdoppelte und dies auch noch rückwirkend einforderte, beschloss Dahlke seinem Bankier zu folgen und in die Schweiz umzuziehen. Jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, weiss dass die Geschichte nicht so abgelaufen sein kann, wie Dahlke sie uns erzählt. Für einen gut verdienenden Deutschen ist Österreich schon ein Steuerparadies und der Wechsel von Österreich in die Schweiz ist diesbezüglich noch mal eine echte Verbesserung. Bei deutschen Männern ist der Steuersparinstinkt angeblich stärker ausgeprägt als der Sexualtrieb. Dahlke ist nach eigenen Angaben dort angekommen, wo er „faire Steuern gerne bezahlt“. Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Übrigens, den Steuersatz und seine Verlässlichkeit garantiert ein Schweizer Vermögensverwalter. Kurz zuvor hat man Ihm in seiner österreichischen Wahlheimat den Peinlichkeitspreis Das Goldene Brett vorm Hirn für sein esoterisches Lebenswerk verliehen. Alle Zweifel an der Berechtigung dieses Negativ-Awards dürften nach diesem Aufsatz beseitigt sein.

Solidarische Gesellschaften wie unsere Bundesrepublik oder Österreich finanzieren sich zum grossen Teil aus Steuern: Kitas, Fördereinrichtungen, Schulen, Universitäten, Kultur, Strassen, Polizei usw. Wer viel hat, zahlt natürlich mehr. Bei Rente und Krankenkasse ist die Beteiligung der Reichen noch ausbaufähig. Dahlke hat sein Medizinstudium an der öffentlichen Ludwig-Maximilians-Universität in München ohne Studiengebühren erfolgreich abgeschlossen. Wer sein Geld mit der Produktion von veganen Kochbüchern, Vorträgen und Kreuzfahrten für Besserverdienende verdient, kann relativ problemlos das Land wechseln und ganz legal in der Schweiz weniger Steuern bezahlen und immer reicher und noch reicher werden; eine Frage der Einstellung und der Solidarität, besonders wenn der mit Abstand grösste Teil des Reichtums in Deutschland generiert wird. Aber wozu? Das letzte Hemd hat keine Taschen; du kannst nichts mitnehmen! Interessant zu wissen wäre, warum das Magazin Spuren so einen Artikel, der ganz offensichtlich die reale Situation nicht einmal annähernd korrekt wiedergibt, in dieser Form veröffentlicht.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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