Wie kannst Du nur? Kloster statt Karriere

20.10.2016 | Rubrik: Allgemein

Eine erfolgreiche Juristin, attraktiv, promoviert und mit festem Partner in einer Beziehung lebend, lässt alles hinter sich und wählt dafür das Leben im Kloster. Der Bayerische Rundfunk zeigt in einer Dokumentation die Tage des Übergangs von der weltlichen in die geistliche Welt.

Gestresste Manager und Projektleiter flüchten gerne einmal im Jahr in ein Kloster um für ein paar Tage Achtsamkeit und Kontemplation zu praktizieren und Burnout-Prävention zu betreiben. Klosteraufenthalte haben in unserer hektischen Zeit Konjunktur und trotzdem hat sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der Brüder und Schwestern in den Ordensgemeinschaften halbiert, so dass immer mehr Klöster schliessen müssen oder zumindest stark davon bedroht sind. Immer weniger Männer und Frauen können sich dafür entscheiden, den Rest ihres Lebens als Mönch oder Nonne im Dienste Gottes zu verbringen. Und wenn doch reagieren Eltern, Freunde und Verwandte oft mit Zweifeln oder Unverständnis auf diese Entscheidung.

In dieser Schnittstelle zwischen den beiden so unterschiedlichen Welten spielen sich spannende Geschichten ab: So beschreibt Florian Palzinsky in seinem berührenden autobiografischen Buch Wie ein Fremder im Paradies seine Jahre als buddhistischer Bettelmönch in Sri Lanka. Florians Entschluss fiel schon als junger Erwachsener. Ganz anders Gabriele Zinkl: Die promovierte Theologin ist Vernehmungsrichterin am Bistum Regensburg. Bei einer Reise nach Jerusalem übernachtet sie im Gästehaus der Barmherzigen Schwestern, die sie zur Teilnahme an den Gebetszeiten einladen. Das war der Knackpunkt. Die Gemeinschaft der Borromäerinnen geht ihr auch nach der Rückkehr in Regensburg nicht mehr aus dem Kopf. Der Ruf Gottes ist bei ihr angekommen. Ihr Umfeld reagiert auf den Plan nach Jerusalem zu gehen und Gehorsam und Enthaltsamkeit zu leben überrascht bis entsetzt. Ihr Lebensgefährte empfiehlt ihr eine therapeutische Behandlung; die Eltern fühlen sich vom einzigen Kind im Stich gelassen. Das ist alles nicht so einfach und trotzdem freut sich Gabriele Zinkl auf ihr zukünftiges Leben in Jerusalem. Regisseur Max Kronawitter zeichnet mit Wie kannst du nur? ein Portrait dieser interessanten Frau in ihrer Lebensmitte, die aus innerer Überzeugung ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben verlässt um als Novizin in einer Ordensgemeinschaft zu leben. Die Dokumentation überzeugt in vielerlei Hinsicht und ist noch ein paar Wochen in der Mediathek der ARD zu sehen

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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