Rüdiger Dahlke und Christian Wulff 1

28.10.2016 | Rubrik: Verschwörungstheorien

©Liane Dietrich / WAP Werbeagentur, KL

Was haben der esoterische Rechtspopulist Rüdiger Dahlke und der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff gemeinsam? Mehr als man normalerweise denken würde!

Nach dem Niedergang der Zeitschrift Connection ist das Schweizer Magazin Spuren eines der ganz wenigen lesbaren ganzheitlichen Blätter im deutschsprachigen Raum. Bis vor kurzem hatte ich den Eindruck, dass die Beiträge thematisch ausgesucht, gut recherchiert und redaktionell bearbeitet werden. Umso überraschter war ich, als ich einen längeren Artikel von Rüdiger Dahlke las, in dem er die Gründe seines Umzugs in die Schweiz in eine kleine Wohnung mit Ausblick auf den Vierwaldstättersee sehr ausführlich darlegt. Der Text trieft nur so vor Selbstbeweihräucherung und wie immer sind die anderen böse und Dahlke ist gut. Und wie das Rechtspopulisten so machen, benutzt er fast ausschliesslich reduzierte Darstellungen; freundlich ausgedrückt kann man sie auch als Halbwahrheiten bezeichnen. Von Dahlke hatte ich es nicht anderes erwartet; er hat sinngemäss das Gleiche ein paar Wochen vorher in einem äusserst peinlichen Interview über sein Lieblingsthema Geld (von Minute 23 bis Minute 29 reicht) mit Human Trust Manager Jakob Bantleon erzählt. Die Tatsache, dass diese fragliche Geschichte im Magazin Spuren gedruckt wird, hat mich schon ein wenig enttäuscht. Ich möchte gar nicht wissen, was das für geschäftliche Hintergründe hat.

Um die Parallelen zwischen Wulff und Dahlke zu sehen, müssen wir bis in den Sommer des Jahres 2009 zurückgehen. Beide Herren haben die 50 schon überschritten und deutlich jüngere und sehr attraktive Lebensgefährtinnen an ihrer Seite, denen sie natürlich imponieren wollen. Beide brauchen dringend einen Bankkredit: Christian Wulff hatte sich von Bekannten 500.000 € geliehen um sein Haus zu bezahlen und hatte diesbezüglich nachfragende Journalisten im Nacken; Dahlke ist bei der Verwirklichung seines ganzheitlichen Zentrums in der südlichen Steiermark das Geld ausgegangen. Ein Normalbürger hat zu dieser Zeit für einen Immobilienkredit mit Zinsbindung deutlich über 4% im Jahr bezahlt. Beide haben aufgrund ihrer guten Beziehungen die Option des freien Geldmarktes gewählt und mit knapp 1% Zinsen begonnen. Gerade bei Christian Wulff haben die Medien die Konditionen verglichen und festgestellt, dass ein Normalbürger mindestens 2% mehr an Zinsen, also das Dreifache, am freien Geldmarkt bezahlt hätte. Die Banken nennen das besondere Konditionen für gehobene Privatkunden. Zu den gehobenen Privatkunden gehört Dahlke auch, sonst hätte er seinen Kredit nicht mit 1,2% Zinsen begonnen. Bei den Krediten im freien Geldmarkt werden die Zinsen vierteljährig angepasst und so stiegen sie im Lauf der Zeit bei Wulff auf 2,2% und bei Dahlke angeblich auf 3,9%. Da die Affäre Wulff sehr viel Staub aufgewirbelt hat, sind die damaligen Konditionen für die verschiedenen Kredite in diesem Zeitraum sehr gut dokumentiert. Und niemand von uns hätte auch nur annähernd die Schnäppchen-Zinssätze der beiden Herren bekommen. Also kein Grund sich zu beklagen. Wulff hat die Boulevardpresse ganz bewusst in seinen politischen Werdegang einbezogen und Dahlke hätte genauso gut einen Immobilienkredit mit fester Zinsbindung wählen können; er hat wissentlich mit der Bank gezockt und auf seinen Vorteil gesetzt. Christian Wulff war anfänglich kein schlechter Bundespräsident und Dahlke hat früher durchaus das eine oder andere lesenswerte Buch geschrieben; beide verbindet neben ihrer Uneinsichtigkeit, dass Sie letztlich am Geld und ihren Eitelkeiten gescheitert sind. Sorgen muss man sich um keinen machen: Der Ehrensold von Christian Wulff beträgt momentan 217.000 €, dazu kommen noch einige kostspielige Privilegien plus Einnahmen aus Beraterverträgen und Dahlke hat in seinem Spartrieb so viel Reichtum angesammelt ….

Rüdiger Dahlke und Christian Wulff 2

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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