Magazin Connection – nach der Einstellung

26.07.2016 | Rubrik: Allgemein

Um die Medienlandschaft im ganzheitlichen und spirituellen Bereich steht es nicht gut. Hochglanzmagazine für Yoga und Meditation verkaufen Werbung als Journalismus und die wenigen akzeptablen Zeitschriften werden nach und nach eingestellt.

Manche Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und so hat es nicht überrascht, als Wolf Schneider letzten Herbst das Ende seiner spirituellen Zeitschrift Connection bekannt gab. Sehr viele waren dennoch traurig darüber, denn Connection hatte lange eine aussergewöhnliche, überragende und überregionale Bedeutung für die Szene in den 30 Jahren seines Bestehens. Schon seit geraumer Zeit hatten die Artikel nicht mehr die Qualität früherer Tage und sie entsprangen immer öfter irgendwelchen Tauschgeschäften und nicht seriöser und bezahlter journalistischer Arbeit. Das ist ein allgemeines Phänomen, im ganzheitlichen Bereich ist es nur deutlich extremer als im Rest der Medienlandschaft. Sein letzter Hilfeschrei war der oft weitergeleitete Newsletter, in dem er plakativ die zunehmende Popspiritualität beklagte und damit die neuen Magazine Happinez und Happy Way meinte. Das war schon ein wenig peinlich und populistisch, denn es hätte auch genug Anlass zur Selbstkritik gegeben. Ohne Zweifel ist Wolf Schneider ein Autor mit profundem spirituellen Wissen und grossen Verdiensten um die Szene und so findet man seine Artikel weiterhin als Kolumnen in ganzheitlichen Magazinen wie z.B. KGS in Berlin oder Spuren in der Schweiz.

Es liegt im Wesen der Kolumne, dass der Autor seine persönliche Meinung darstellt, die durchaus kontrovers sein kann und nicht mit dem gesellschaftlichen Konsens übereinstimmen muss. Seine letzte Kolumne im Sommerheft des schweizer Magazins Spuren zeigt jedoch relativ deutlich, dass er seine besten Zeiten schon länger hinter sich hat. Immer wenn ein Autor in die rechtspopulistische Kiste greifen muss, weiss der kritische Leser, dass ihm die Ideen ausgegangen sind, er zu faul zum Recherchieren war oder ihn das Ganze nur noch ankotzt; alles gute Gründe um sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Wolf Schneider hat letztes Jahr sein Seminarhaus in der bayerischen Provinz in ein Flüchtlingsheim umgewandelt und beherbergt seitdem, natürlich gegen Bezahlung, Syrer und Afghanen. Damit hat er in schwierigen Zeiten ein Zeichen gesetzt und sich den gebührenden Respekt verdient. Die Art, wie er knapp ein Jahr später in seiner Kolumne unter dem Titel Willkommenskultur seinen zur Gewalt neigenden afghanischen Mitbewohner beschreibt, hat Stammtischqualität und erinnert an Michael Vogt, der sagt, dass Flüchtlingsheime in Deutschland eher von innen als von aussen brennen. Danach rechnet Schneider mit Präsident Obama ab, weil dieser versäumt hat, Israel in die Schranken zu verweisen, was klar rechtspopulistisch und antisemitisch ist. Natürlich kann man die Betonköpfe in der israelischen Regierung kritisieren, nur hat Schneider mit diesem unsäglichen Spruch die Grenze zum Antisemitismus klar überschritten. Ich hoffe nicht, dass wir ihn bald als spirituellen Gesprächspartner von Michael Vogt oder Jo Conrad sehen.

Diese Berührungsängste hat Rüdiger Dahlke, der im schweizer Magazin Spuren ein paar Seiten nach Schneider über seinen Umzug in die Schweiz und sein Lieblingsthema Geld schreibt, nicht. Dahlke sprach letztes Jahr auf dem umstrittenen Querdenken Kongress, ist mit Organisator und Rudolf Hess Verehrer Michael Vogt per Du und hat auch kein Problem sich mit Jo Conrad vor laufender Kamera freundlich auszutauschen. Sein Artikel über Schulden kann getrost in die Sektion Märchenstunde eingeordnet werden. Jeder, der seine Sinne unter Kontrolle hat, weiss dass das so nicht stattgefunden hat. Der Artikel ist bestenfalls eine Anleitung für deutsche und österreichische Millionäre, wie sie ihr Geld in Deutschland und Österreich verdienen und es dann ganz legal in der Schweiz zu wesentlich niedrigeren Sätzen versteuern können und sich so jedes Jahr ein kleines Vermögen sparen. Würden alle Millionäre in Deutschland und Österreich wie Dahlke denken und handeln, könnten wir die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens begraben. Dass diese Lügengeschichte unter dem Titel Schulden erscheint, ist zusätzlich ein Affront allen Menschen gegenüber, die im Gegensatz zu Dahlke wirklich Schulden haben. Viele von ihnen können ihr Kind nicht auf Klassenfahrt schicken und wissen am Monatsende nicht, wie sie das Abendessen auf den Tisch bekommen. Interessant wäre zu wissen, warum der Herausgeber des Magazins Spuren all dies seinen Lesern zumutet und ob das schon die ersten Schatten sind, die das Ende eines immer noch ganz guten ganzheitlichen Magazins ankündigen.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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