Hipster & Trendveganer

26.05.2016 | Rubrik: Allgemein

War es vor nicht allzu langer Zeit schwierig, in Kneipen und Restaurants überhaupt etwas Fleischloses zu bekommen, wird heute schon komisch angeschaut, wer Milch statt Sojamilch in den Kaffee tut oder seine Pizza mit Mozzarella anstatt mit Sojakäse überbacken lässt.

Der Berliner Hermannplatz an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln kann nach wie vor als Problembezirk angesehen werden, obwohl Hipsters aus der ganzen Welt die Strassen der Umgebung, gerne auch nur für ein paar Monate, bewohnen und beleben. Mitte April haben sich dort über Tausend Menschen getroffen und den Verkehr so massiv behindert, dass die Polizei einrücken musste, obwohl alles eigentlich ganz friedlich verlief. Was war passiert? Ein nicht allzu grosser veganer Imbiss feierte seine Eröffnung und Hipsters haben diesen Event über die sozialen Netzwerke verbreitet. Am meisten profitierte der türkische Spätkauf daneben, denn der vegane Imbiss konnte die Menschenmenge relativ schnell nicht mehr bedienen und so kaufte die Mehrheit der Eventteilnehmer Wein, Bier, Bionade und Chips im Spätkauf nebenan, der traditionelle und konventionelle Produkte im Angebot hat. Es scheint, dass die vegane Bewegung mehr mit Szene, Trend und Mode zu tun hat als mit gesunder Ernährung. Und vor allem ist es ein gutes Geschäftsmodell.

So hat sich eine ganze Veganindustrie entwickelt mit Supermärkten, Convenience- und vor allem Ersatzprodukten: Das Angebot beinhaltet Milch, Käse, Fleisch und Wurst in veganen Varianten. Es gibt Weihnachtsgänse für Veganer, an Ostern können sie sich an veganem Fisch erfreuen und für Freunde der Currywurst gibt es auch da die vegane Option. Das Problem dieser Speisen und Ersatzprodukte ist, dass es sich in der Regel um Kunstprodukte handelt, die wie z.B. Coca Cola einen langen chemischen Prozess durchlaufen haben und aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht unbedingt zu empfehlen sind. Ist es nicht besser, Gänse, Schweine und Kühe aus nachhaltiger Landwirtschaft zu verzehren als deren künstlichen Nachbau? Man kann sich sehr gut und gesund fleischlos bzw vegan ernähren ohne auf Ersatzprodukte zurückzugreifen. Beim guten Inder, Thai oder Vietnamesen stehen jede Menge glutamatfreie Gerichte auf der Karte, die keine tierischen Produkte enthalten. Bis vor kurzem waren sie noch nicht einmal als vegan gekennzeichnet. Trend und Mode gehen klar in Richtung vegan; die gesunde Ernährung spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Der Polizeiruf-Kommissar Charly Hübner bezeichnet sich im Interview mit Schrot & Korn als 5/7 Veganer. Geht das überhaupt? Oder ist das wie ein wenig schwanger? Bin gespannt, wie lange diese Modeerscheinung anhält.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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