Satsang – Gurus, Heiler und Scharlatane

01.12.2015 | Rubrik: Allgemein

Menschen, die einen erleuchteten Bewusstseinszustand erreicht haben und ihre Erkenntnisse in Vorträgen heilend weitergeben, gibt es schon lange, auch ausserhalb der Satsang-Bewegung. Das Internet und seine fast unbegrenzten Möglichkeiten über youtube und anderen Kanälen hat viele Scharlatane in den Markt geschwemmt.

Die Satsang Bewegung steht in der indischen Philosophie für ein Zusammensein von Menschen, die Vorträge hören, Inhalte wirken lassen, darüber nachdenken und diskutieren; meistens ist es ein Treffen mit einem spirituellen Lehrer, der als erwacht oder erleuchtet gilt. Es geht darum Teil eines spirituellen Augenblicks und dessen Energie zu sein und es ist egal, ob man dem Meister zuhört, zusammen Mantras singt, betet oder meditiert. Man zahlt auch keinen Eintritt, sondern beteiligt sich am Ende der Veranstaltung mit einer Spende an den Kosten. Im Zentrum steht das gemeinschaftliche Erleben. Die Beatles sind seinerzeit zu den Sessions von Maharishi Mahesh Yogi gefahren und die Satsangs von Osho beeindruckten einige Jahre später viele Tausend Besucher. Was schön ist und gut klappt, läuft gerne Gefahr missbraucht zu werden. Einige selbst ernannte Gurus bieten Satsang im kommerziellen Rahmen gegen Eintritt an und versprechen ihren Zuhörern Heilung von schweren Krankheiten, Glück, Erfolg, Liebe und Gesundheit im weitesten Sinne. Im Hintergrund läuft das Backoffice und versucht den Zuhörern in der Pause und nach der Veranstaltung Bücher, CDs und DVDs zu verkaufen und für seine nicht ganz billigen Seminare zu werben. Diese Typen haben kein Problem damit, Schwerstkranken Heilung zu versprechen und benutzen für diese lukrativen Geschäfte gerne NLP als Verkaufstechnik. Es sagt auch einiges über unser Gesundheitssystem, wenn solche Scharlatane bei schweren Krankheiten Konjunktur haben. Und wenn die Heilung nicht klappt, ist die lakonische Erklärung, dass der Klient nicht stark genug daran geglaubt hat. Satsang ist ein gemeinschaftliches Erleben und keine schnelle Heilung, keine amerikanische Lebenshilfe und kein Geschäftsmodell für selbsternannte Gurus. Einige dieser Gangster setzen jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge um. Das hat mit der ursprünglichen Bedeutung von Satsang schon lange nichts mehr tun. Man sieht es an deren Weihnachtsnewslettern; da werden die ganzen Ladenhüter als Schnäppchen verramscht, es geht nur um den Umsatz.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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