Proteste gegen Querdenken Kongress

06.10.2015 | Rubrik: Verschwörungstheorien

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein ganz normaler esoterischer Kongress. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich als Treffen der neuen Rechten und ewig Gestrigen; Verschwörungstheoretiker, braune Esoteriker und Alternativmediziner. Eine grosse Party für Anhänger völkischen Gedankenguts. Der Querdenken Kongress im hessischen Friedberg mobilisiert jedoch zahlreiche Nazi-Gegner und so wird es glücklicherweise reichlich Protest-Aktionen gegen geistige Brandstiftung geben.

Der Querdenken Kongress findet weiterhin am letzten Oktoberwochenende statt, ist aber von Aschaffenburg ins hessische Friedberg umgezogen. Die beiden Städtchen liegen zwar nur 60 km auseinander; der Umzug sagt aber einiges über die Ängste der Veranstalter aus der rechten Ecke und ihren Sorgen vor der Mobilisierung antifaschistischer Gruppen gegen völkisches Denken, rechte Verschwörungstheorien und braune Esoteriker. Der Veranstalter Michael Vogt ist bekennender Anhänger von Rudolf Hess, der während der Nazidiktatur Stellvertreter von Hitler und Initiator der Rassengesetze war. Dr. Rüdiger Dahlke und Lex van Someren sind sich nicht zu schade um bei der Neuen Rechten aufzutreten. Ich denke mal, finanziell hat das keiner von beiden nötig; man kann es durchaus als politisches Statement verstehen. Genau wie beim selbsternannten Bewusstseinsforscher Bruno Würtenberger, der letztes Jahr auf dem Kongress die völkische Esoterik repräsentierte. Angekündigt sind dieses Jahr neben Dahlke und van Someren rechte Verschwörungstheoretiker, Islamkritiker und Antisemiten, Pseudowissenschaftler, Alternativmediziner und Rechtspopulisten aus allen möglichen Ecken. Die gute Nachricht: In Friedberg formiert sich der Widerstand gegen diese völkische Veranstaltung und das Netzwerk Offene Wetterau organisiert die Aktionstage gegen geistige Brandstiftung: Am 7.Oktober steht der Dokumentar-Film Mondverschwörung auf dem Programm, am 21.Oktober hält Jutta Ditfurth einen Vortrag in Friedberg. Jutta Ditfurth wurde nach kritischen Artikeln und Äusserungen über die neue völkische Bewegung mit Klagen überhäuft, so dass sie die hohen Prozesskosten bisher nur dank einiger Solidaritätsveranstaltungen stemmen konnte. Wer in der Lage ist zu spenden, sollte dies tun, denn es fehlt noch ein beachtlicher Teil. Am ersten Tag des Kongresses (31.10.15) zieht eine Demonstration vom Bahnhof zur Stadthalle. Die Organisatoren planen richtig laut zu sein. Am zweiten Tag (1.11.15) findet ein Spaziergang zu den Orten der Judenverfolgung in Friedberg statt. Eine Mahnwache wird den ganzen Kongress begleiten. Entrüstet euch!

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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