Dahlke und die braune Esoterik

10.08.2015 | Rubrik: Verschwörungstheorien

©Liane Dietrich / WAP Werbeagentur, KL

Dr. Rüdiger Dahlke, Arzt, ganzheitlicher Denker und charismatischer Esoteriker meldet sich in letzter Zeit verstärkt über seltsame Internetsender und kritisiert im Pegida-Modus die so genannten Mainstream-Medien – ohne Berührungsängste mit Rechtskonservativen, die Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß verehren oder sonstigen braunen Esoterikern

Das Internet und die dazugehörige Digitalisierung haben unsere Welt kräftig durcheinandergeschüttelt. Mittlerweile gibt es ein Überangebot an Informationen und egal, was Sie brauchen, youtube hat die passende Anleitung dazu. Auch einige esoterische Sender, die sich als unabhängig sehen und behaupten, sie zeigen das, was die klassischen Medien und das öffentlich-rechtliche Fernsehen verschweigen, haben im Internet ihre wachsende Fangemeinde. ACHTUNG: Hinter vielen dieser Internetsender stehen in der Szene bekannte Vertreter völkischen Gedankenguts, die so genannte Neue Rechte. Nun sind das keine Dumpfbacken, sondern Bürger, die gerne einen Doktor oder Professor in ihrem Namen tragen und sehr viel Verständnis für Sorgen und Ängste der Pegida-Anhänger haben. Die inhaltlichen Überschneidungen von Pegida und den Machern der braunen esoterischen Internetsender sind bemerkenswert, auch wenn die Protagonisten dieser Sender wie Jan Udo Holey, Michael Vogt oder Jo Conrad Begriffe wie Lügenpresse nicht unbedingt in ihren Sendungen verwenden würden. Da heisst es eher Mainstreammedien, kann aber problemlos durch den Begriff Lügenpresse ersetzt werden. Es ist unbestritten, dass in den öffentlich-rechtlichen Sendern einiges schief läuft, dass Printmedien unter massivem finanziellen Druck stehen und Qualität abgebaut wird. Da ist der Moment günstig für diese rechtskonservativen Verschwörungstheoretiker, die Allianzen mit dem von Putin finanzierten Internetsender RT Deutsch eingehen und ihr völkisches Gedankengut auch dort verbreiten dürfen.

Mit Leuten dieser Denkrichtung trifft sich in letzter Zeit verstärkt Dr. Rüdiger Dahlke, grosser ganzheitlicher Denker vergangener Zeiten. In seltsamen Vorträgen kritisiert er die Mainstreammedien und Zustände wie in der DDR (??!!), wünscht sich den fast 100-jährigen Altbundeskanzler Helmut Schmidt zurück und äussert Sympathien für Putin. Pathetisch appelliert er an Ärzte und Journalisten. Dass es nicht ganz so schlimm um unsere Medien steht, zeigt die Berichterstattung der letzten Woche, als die Ermittlungen zum Vorwurf des Landesverrats gegen die Blogger von netzpolitik.org Markus Beckedahl und André Meister einen breiten Sturm der medialen Entrüstung auslösten. In Russland wäre das für die beiden bei gleichem Sachverhalt wahrscheinlich nicht ganz so gut ausgegangen. Wie man die öffentlich-rechtlichen Sender mit Substanz kritisiert, zeigt Berthold Seliger in seinem Buch I have a Stream. Und substantielle Kritik an bekannten Journalisten mit Interessenskonflikten von Süddeutscher Zeitung, FAZ und Zeit sieht man in der Sendung Die Anstalt im ZDF. Wie in einem anderen Artikel beschrieben, ist Dahlke ein wenig eitel und sein Verhältnis zu Geld nicht so entspannt, wie er es gerne auch im Interview mit der SZ vermittelt. Das lässt ihn schon eine geraume Zeit alte Inhalte nach dem Baukastenprinzip in neue Bücher verwandeln. Diese Bücher werden in hohen Auflagen bei Mainstreamverlagen wie Gräfe & Unzer, Random House, Bertelsmann oder Goldmann ohne neue relevante Inhalte verlegt. So verdient er ganz gut an diesem System. Nun lädt Michael Vogt, einer der Protagonisten der braunen Esoterikszene und Betreiber des Internetsenders Quer-Denken.tv, am 31.10 und 1.11.15 zum Quer-Denken-Kongress nach Aschaffenburg und hat dazu eine Reihe seltsamer Figuren, meistens Rechtskonservative und Vertreter völkischen Gedankenguts eingeladen. Die prominentesten Referenten sind Dr. Rüdiger Dahlke und die ehemalige Tagesschau- Sprecherin Eva Herman. Eva Herman ist der Ansicht, dass im dritten Reich nicht alles schlecht war und das damalige Frauen- und Familienbild dem heutigen überlegen ist. Einer wie Dahlke sollte nicht mit Rechtskonservativen und Vertretern Völkischen Gedankenguts freundschaftlich verbunden auf einer Bühne stehen und über Mainstreammedien und Lügenpresse referieren.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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