Yogareisen – Sicherungsschein

08.06.2015 | Rubrik: Ratgeber

Immer häufiger wird bei Yogareisen mit dem sogenannten Sicherungsschein geworben. Leider passt der Sicherungsschein so gar nicht zu Namaste und Sonnengruss, denn er ist eher ein Bürokratiemonster des deutschen Reiserechts als ein Qualitätsmerkmal.

Wer eine Yogareise bucht, sollte wie bei jedem touristischen Angebot genau hinsehen und durchaus auch zwischen den Zeilen lesen können. Yogareisen sind bis jetzt noch meistens keine All-Inclusive-Urlaube oder Kreuzfahrten, bei denen die Beschreibungen im Katalog als Massstab für die Mängelklage dienen. Yogareisen sind von der Idee her spirituelle Angebote, die Menschen auf der Suche unterstützen. Viele dieser Angebote kosten deutlich weniger als Tausend Euro. Bei diesen Beträgen relativiert sich die Bedeutung des Sicherungsscheins, der für Veranstalter Pflicht ist und Reisende vor materiellem Schaden schützen soll. Er schützt sie hauptsächlich vor der Insolvenz des Anbieters, an den sie das Geld für die Yogareise überwiesen haben. Wenn das vom Veranstalter gebuchte Hotel zahlungsunfähig wird, ist die Rechtslage schon wieder etwas anders. Dazu kommt, dass der Sicherungsschein in anderen Tourismus-Bereichen zu beachtlichen Preiserhöhungen geführt hat. Der Veranstalter muss sowohl in den Katalogen als auch im Internet seine Preise in Euro angeben, was bei Reisen ausserhalb der Euro-Zone erhebliche Währungsrisiken beinhaltet. Auch diese Währungsrisiken bezahlen Sie als Kunde. Ganz schön kompliziert! Eigentlich sollten sich die Anbieter mit Namaste, Sonnengruss und dem dritten Auge beschäftigen und nicht mit so weltlichen Dingen, die nicht zum Geist des Yoga passen.

Ein Veranstalter im ganzheitlichen Bereich zeichnet sich dadurch aus, dass er seine Kunden gut und fair berät, ihnen Produkte empfiehlt, die passen und nicht die, an denen er am meisten verdient oder die er unbedingt loswerden muss. Kaum einer freut sich über den Sicherungsschein, denn er ist mit bürokratischem Aufwand verbunden und impliziert auch andere juristische Fallen. Jeder Wettbewerber kann den Kollegen abmahnen und ihn dazu zwingen den Sicherungsschein auszustellen. Das ist die häufigste Vorgeschichte, gerade wenn kleine Tourismusunternehmungen mit Sicherungsschein und Haftpflicht werben. Der gesamte Markt für Yoga hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Aus ein paar Indienläden und wenigen Yogazentren wurde ein Industriezweig, der allein in Deutschland Milliarden umsetzt. Heute wird Yoga hauptsächlich in Fitnesszentren und kommerziellen Studios unterrichtet und wird immer mehr zur Ware. Die Betreiber suchen Marktnischen, Absatzwege und Alleinstellungsmerkmale wie beim Verkauf von Schuhen und Hemden. Und Yogareisen sind ein Teil dieses Marktes, in dem neue Produkte auf den Markt müssen. Veranstalter kombinieren Yoga mit Surfen, Wandern, Skifahren oder Paddeln und sind schon mit mehr als einem Bein im traditionellen Tourismus. Es gibt aber immer noch jede Menge Angebote, bei denen der Weg zu sich selbst im Zentrum der Aufmerksamkeit der Organisatoren steht.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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