Sekte, Verein oder Ashram I

11.04.2015 | Rubrik: Yoga

Die beiden grössten Yogaanbieter in Europa sind gemeinnützige Vereine aus Deutschland und fallen durch aufwendige, kostenintensive und aggressive Werbung auf. So war das mit der Gemeinnützigkeit eigentlich nicht gemeint.

Beide Institutionen sehen sich eher als Ashram und präsentieren sich dem Finanzamt als gemeinnütziger Verein, wodurch sie eine deutliche Reduktion ihrer Steuerlast erfahren. Das deutsche Vereinsrecht stammt noch aus dem 19. Jahrhundert und wurde für Schachspieler und Kaninchenzüchter geschaffen, damit diese sich kostengünstig und unbürokratisch organisieren können. Diese Vereine im ursprünglichen Sinne setzen bis heute nicht mehr als ein paar Hundert Euro im Monat um; den Verlust der wenigen Steuereinnahmen kann die Gesellschaft leicht verkraften. Bei den grossen Yogavereinen geht es schon um ein paar Millionen, beim ADAC um ein paar Milliarden Euro. Ein neues Vereinsrecht wird dringend benötigt, ein genaueres Hinsehen beim Vergeben der Gemeinnützigkeit und eine deutlich intensivierte Kontrolle ebenso. Es kann nicht sein, dass Vereine in Wettbewerb treten und die beachtliche Steuerersparnis als Vorteil nutzen. Die Vorwürfe gegen den ADAC stehen schon seit über 40 Jahren im Raum und kein Kontrollorgan hat sich dafür interessiert. Der Gemeinschaft wurden Milliardenbeträge vorenthalten. Bei den Yogavereinen geht es nur um Millionen; trotzdem kann die Wettbewerbsverzerrung durch ungleiche steuerliche Behandlung der Anbieter nicht im Sinne des Gesetzgebers sein. Der Eindruck entsteht, dass kommerzielle Unternehmen immer häufiger als Verein gegründet werden und durch den Vereinsstatus Wettbewerbsvorteile erzielen. Yoga-Vidya bezahlt den Agenturen für Online-Werbung viel Geld, damit es seine kostenlosen Yogaanleitungen im Internet auf verschiedenen Plattformen anbieten kann. Und beide Vereine sind regelmässig auf der Geiz-ist-geil Plattform Groupon mit Schnäppchen von 50% auf den Gesamtpreis, was weder zum Geist des Yoga noch zu einem gemeinnützigen Verein passt. Am besten sieht man sich das Organigramm von Yoga Vidya an; es hat rein optisch nicht sehr viel mit einem Verein im klassischen Sinne zu tun. Das Verhältnis von Preis und Leistung ist bei beiden Yogavereinen voll in Ordnung! Das kann aber kein Kriterium sein, denn das trifft für Aldi und Lidl auch zu.

Sekte, Verein oder Ashram Teil 2

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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