Ganzheitliche Medienlandschaft Teil 2

08.02.2015 | Rubrik: Allgemein

Normalerweise sollten Zeitschriften relevante und transparente Inhalte anbieten, die werbefrei von einer unabhängigen Redaktion verfasst werden. Davon sind die Artikel oder Infomercials im spirituellen Bereich momentan sehr weit entfernt.

Ganzheitliche Medienlandschaft Teil 1

Die Trennung zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten ist ein hohes Gut und entscheidend für die Qualität unserer Information. Das gilt für alle Kanäle vom Fernsehen über Printmedien bis zum Internet. Die Kritik geht nicht nur an spirituelle Magazine, auch Qualitätsmedien wie die Süddeutsche oder Zeit haben immer wieder Probleme damit. Frei von diesem Verdacht sind nur die unabhängigen kleinen Publikationen wie TAZ oder der Freitag. Bei den Qualitätsmedien geht es gerne um Interessenskonflikte von Journalisten oder ob ein kritischer Artikel über einen wichtigen Anzeigenkunden erst ein paar Tage nach dem nächsten Schalten seiner ganzseitigen Werbung erscheinen kann. Im hier besprochen spirituellen Bereich ist es noch viel weitreichender: Im Extremfall übergibt der Verlag seinen Anzeigenkunden die gesamte Redaktion (Weihnachtsausgabe 6/14). In gewisser Weise erklären diese Zeitschriften ihre Leser für dumm, in dem sie hoffen, dass die kommerzielle Vermischung von Anzeigen und redaktionellen Inhalten nicht erkannt wird. Sie vergessen, dass Vertrauen und Treue gerade in schwierigen Zeiten ein starkes und verlässliches Band zwischen Leserschaft und Verlag ist. Wer seine Leser enttäuscht, läuft Gefahr sie zu verlieren. Eine neue Leserschaft zu gewinnen ist deutlich komplizierter und viel teurer als die alten mit guten Inhalten zufrieden zu stellen. Und neue Anzeigenkunden gewinnt man am besten über gute Leser und nicht über den Namen der Zeitschrift. Die Grundidee unserer Presselandschaft ist ganz einfach: Die Artikel kommen aus der Redaktion, die Werbung vom Verlag. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es Werbung. Im Internet und bei kostenlosen Werbezeitschriften muss man wohl oder übel noch mit diesem Missbrauch leben, bei Hochglanzprodukten um die 10 € nicht. Einige Verlage werben fast öffentlich mit redaktioneller Erwähnung für geschaltete Anzeigen oder journalistischen Artikeln gegen Bezahlung. Ich habe mein Abo nach dieser unsäglichen Weihnachtsausgabe aus Mangel an Vertrauen gekündigt.

Der Markt für Spiritualität und ganzheitlichen Techniken setzt im deutschsprachigen Raum jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag um und so wundert es nicht, dass grosse Verlage wie Bauer Verlag, Gruner + Jahr oder Gräfe + Unzer einen Teil von diesem leckeren und lukrativen Kuchen abhaben wollen. Die spirituellen Hochglanzprodukte dieser Verlage haben gemeinsam, dass sie relativ neu auf dem Markt sind, in Auflagen über 100 Tausend erscheinen, um die 5 € kosten und die Themen sehr allgemein und populär behandeln. Redaktion und Anzeigenabteilung sind bei diesen grossen Verlagshäusern zumindest auf dem Papier klar getrennt. Die Magazine sind nicht direkt auf Gewinn aus, sondern wollen sich erst mal in diesem versprechenden Markt positionieren. Das traditionelle Haus im Hintergrund verfolgt vielleicht nur strategische Interessen. Die andere Gruppe der Hochglanzmagazine kommt aus kleinen, regionalen Verlagen ohne grossen finanziellen Hintergrund. Sie haben gemeinsam, dass sie um die 10 € kosten und die Auflagen etwas kleiner sind. Alle betreiben eine parallele Aktivität, die mit der Publikation gepuscht werden soll: Onlineshop für Yogaartikel, Verlag, Veranstalter von Seminaren, Messen oder Kabaretts. Es scheint, dass sie sich keine Redaktionen leisten wollen oder können. Da die Hefte irgendwie gefüllt werden müssen, ist der Verlag auf der Suche nach günstigem Content und versteckten Synergieeffekten, die auch bei den Zeitschriften aus den grossen Häusern teilweise Eingang finden. Mit Bilderstrecken von ultimativen und glücksbringenden Asanas füllen die Magazine locker zehn bis zwanzig Seiten; meistens ist es ein Anzeigenkunde, der diese Möglichkeit der Selbstdarstellung dankend und honorarfrei annimmt. Anzeigenkunden schreiben Artikel zu Themen, an denen sie wirtschaftliches Interesse haben. Anzeigenkunden werden interviewt. Prominente wie Veronika Ferres lachen die Käufer auf der Titelseite an und erzählen von ihrer meditativen Praxis. Auch ein B-Promi auf dem Titelblatt erhöht die Verkaufszahlen, das Interview ist günstiger Content. Bei allem Verständnis für den Überlebenskampf sowohl von Verlagen als auch von freiberuflichen Journalisten – diese Art der Vermischung geht gar nicht, ist ethisch und moralisch nicht zu rechtfertigen und mit dem journalistischen Offenbarungseid gleichzusetzen.

Ganzheitliche Medienlandschaft Teil 3

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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