Dahlke, Dahlke, Dahlke

22.02.2015 | Rubrik: Verschwörungstheorien

Dr. Rüdiger Dahlke, erfolgreicher Therapeut, Seminarleiter und Buchautor ist schon seit Jahren in der Sackgasse seines Erfolgs gefangen. Leider ist keine spirituelle Wiedergeburt in Sicht

Dahlke entstammt der Münchner Gruppe um Wolfgang Döbereiner und Thorwald Dethlefsen, mit dem er seinerzeit den Klassiker Krankheit als Weg geschrieben und damit eine ganze Generation nachhaltig beeinflusst hat. Dethlefsen und vor allem Döbereiner standen dem Kommerz kritisch gegenüber, Dahlke hatte da schon immer weniger Berührungsängste. Dahlke ist brillant und charismatisch, redet und schreibt gut und ist sicherlich ein bemerkenswerter Therapeut und Seminarleiter. Ein gewisses Mass an Eitelkeit und Narzissmus gehört wahrscheinlich dazu um diesen Grad an Bekanntheit zu erreichen. Genauso wie man den materiellen Erfolg suchen muss um dieses Pensum an Veranstaltungen durchzuhalten. Ein Autor wie er darf auch gerne bei Verlagen wie Goldmann, GU oder Random House veröffentlichen, die alle für grosse Auflagen stehen. Es ist allerdings ein klares Statement für den eigenen materiellen Erfolg und gegen die Solidarität, die andere Verlage praktizieren, wenn sie auch weniger auflagestarken Autoren eine Chance geben. Diese Art von Solidarität ist bei Dahlke leider nicht zu erkennen. Wie wichtig das für die Qualität und Vielfalt ist, kann man bei Suhrkamp und anderen guten literarischen Verlagen sehen. Als er vor einigen Jahren der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit dem Thema Schmutziges Geld gab, hofften viele auf eine Wandlung. Leider war es der erhobene Zeigefinger anderen gegenüber und keine Selbstkritik. Selbstkritik wäre bei Dahlkes nicht so ganz entspanntem Verhältnis zum Geld durchaus angebracht gewesen.

Ein wenig Hoffnung keimte auf, als Dahlke sein schönstes Projekt der letzten Jahre vorstellte: Taman-Ga, ein einzigartiges Seminarhaus auf einem früheren Weingut in der Steiermark; rundherum biologisch, von wunderbarer Natur umgeben und mit der ganzen Klasse Rüdiger Dahlkes konzipiert. Leider war das Konzept nicht wirtschaftlich konsistent und Dahlke musste Taman-Ga wieder schliessen, wofür er in seinem etwas wehleidigen Rundbrief Banken und Behörden die Schuld gab. Die für dieses Jahr angekündigte Zwischennutzung ohne den grossen Meister überzeugt nicht wirklich. Kein anderer Autor kommt in ganzheitlichen Medien so oft vor wie Dahlke. Meistens sind es Auszüge aus seinen Büchern oder devot geführte Interviews mit ihm. Der Verlag ist froh darüber einen so prominenten und hochwertigen Namen im Inhaltsverzeichnis zu haben und Dahlke kann seine vielen Bücher und Hörbücher, Seminare, Ausbildungen und sein Zentrum günstig bzw kostenlos bewerben. Die Zeche zahlt der Leser, denn der erwartet einen Sternekoch und erhält nur aufgewärmtes Kantinenessen. Einer der Hauptvorwürfe in den Rezensionen ist, dass Dahlke sich in seinen zahlreichen Neuerscheinungen immer häufiger selbst zitiert. Es geht hier nicht um irgendeinen Autor, sondern um einen der grossen ganzheitlichen Denker unserer Zeit und seinem nicht glaubhaft gelösten Verhältnis zu Geld und Erfolg. Auch Dahlke kann nicht viel mehr als ein veganes Schnitzel am Tag essen und ein paar Kaffees mit biologischer Sojamilch trinken. Dahlke kann der Welt viel mehr geben als vegane Kochbücher in regionalen Varianten und steuerlich absetzbare Kreuzfahrten für Besserverdienende. Ich würde mir bei ihm wieder mehr Qualität und weniger Quantität wünschen.

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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