Ganzheitliche Medienlandschaft Teil 1

24.01.2015 | Rubrik: Allgemein

In einem tausendfach weitergeleiteten Rundbrief beklagt der Herausgeber des Magazins Connection den Einzug der Popspiritualität in den spirituellen Popspiritualität in den spirituellen Zeitschriftenmarkt. Damit hat er vielleicht sogar Recht, verkennt aber die eigentlichen Probleme der Szene. Ein Spaziergang durch die ganzheitliche Medienlandschaft.

Wolf Schneider hat dabei die aus Holland kommenden Publikationen des Hamburger Bauer Verlags wie Happinez, Happy Way etc. mit Auflagen von je über 100 Tausend im Visier, die ihre Artikel über spirituelle Themen sehr populär und leicht verständlich aufbereiten und diese Hochglanzmagazine für weniger als 5 € verkaufen. Die Grossverlage Gruner + Jahr und Gräfe + Unzer bieten ähnliche Produkte an. Die eigentlichen Probleme liegen vor Schneiders Haustür: Die Hochglanzmagazine aus kleineren deutschen Verlagen, meistens mit einem Onlineshop für spirituelle Produkte verbunden, haben sich fast vollständig von der traditionellen Berichterstattung verabschiedet und arbeiten mit sogenannten Infomercials, einer Mischung aus Werbung und Journalismus: Anzeigenkunden bekommen die Möglichkeit ihre eigenen redaktionellen und nicht als Werbung gekennzeichneten Beiträge zu erstellen. Je nach Lage schreiben die Anzeigenkunden diese Texte selbst oder beauftragen einen Journalisten aus dem PR-Bereich. Trauriger Höhepunkt und gutes Beispiel für Informercials ist die Weihnachtsausgabe 6/14 von Yoga Aktuell mit einer Auflage von 55 Tausend Exemplaren. Die von Wolf Schneider nicht erwähnten Magazine kosten zwischen 7 € und 10 €; das sind Beträge, für die man ein ernsthaftes journalistisches Arbeiten erwarten kann. Und es ist ein fatales Signal an die grossen Verlage, 55 Tausend Exemplare ohne relevanten journalistischen Inhalt zu einem beachtlichen Preis zu verkaufen.

Auf unserem Spaziergang durch die Medienlandschaft begegnet uns ein vielfältiges Angebot über den ganzen deutschsprachigen Raum verteilt: von kostenlosen regionalen Werbeblättern über einige wenige Independent Zeitschriften und Fachblättern zu bestimmten Themen bis zu den schon erwähnten Hochglanzmagazinen. Mit Ausnahme der Fachblätter und den wenigen Independent Zeitschriften, zu denen die schweizer Publikation Spuren und Wolf Schneiders Connection gehören, haben praktisch alle grosse Probleme mit der Trennung von Anzeigen und redaktionellen Inhalten. Die kostenlosen Werbeblätter erscheinen in einer bestimmten Region, sind farbig, A4 oder A5 mit einer Auflage um die 30 Tausend. Sie decken das Who-is-Who und den Veranstaltungskalender einer Region ab und erscheinen alle zwei, drei oder sechs Monate. Die grosse Ausnahme ist wie so oft Berlin; hier konkurrieren zwei Blätter, die jeden Monat erscheinen. Wahrscheinlich wäre eines der beiden (aber welches?), das nur alle zwei Monate erscheint, genug. Diese kostenlosen Werbeblätter haben regional als Gelbe Seiten und Veranstaltungskalender grosse Bedeutung. Sie liegen in Bioläden, Buchhandlungen, Indischen Lokalen und Läden aus. Das Überleben ist wahrscheinlich nicht so einfach und der Mindestlohn auch für Praktikanten wird Veränderungen in diesen Verlagen nach sich ziehen. Am Schluss muss noch ein ganz besonderes dieser kostenlosen Werbeblätter erwähnt werden, das in fast allen Bioläden mit einer Auflage von knapp unter 1 Million Exemplaren ausliegt und von den Öko-Mamies verschlungen wird wie andere ihre Süddeutsche oder ihren Spiegel. Man leistet sich eine echte Redaktion und finanziert sich über Anzeigen und über die Bioläden, die sich zur kostenpflichtigen Abnahme einer gewissen Anzahl verpflichten. Die Bioläden zahlen für Schrot und Korn in dem Bewusstsein, dass viele der Kunden auch wegen dem kostenlosen Öko-Magazin in ihr Geschäft kommen.

Ganzheitliche Medienlandschaft Teil 2

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Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Der Autor ist Journalist und Blogger

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